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Homöopathie bei Heuschnupfen und Allergien: was Studien zeigen

Eine systematische Übersicht von 2017 fand elf Studien zu Homöopathie bei allergischem Schnupfen, acht davon mit hohem Verzerrungsrisiko. Die einzige verlässliche Studie zeigte einen kleinen, statistisch nicht gesicherten Effekt. Bei allergischem Asthma reichen die Belege laut Cochrane nicht für eine Bewertung, eine große Studie fand keinen Nutzen.

Frau sitzt im Frühling auf einer Parkbank und hält sich ein Taschentuch an die Nase
Bild: KI-generiert

Heuschnupfen kommt jedes Jahr wieder, oft über Jahrzehnte. Viele Betroffene suchen deshalb nach einer Behandlung, die mehr bietet als Tabletten für die Pollensaison, und landen bei der Homöopathie. Hier steht, was die Studien zu allergischem Schnupfen und allergischem Asthma zeigen und welche Behandlungen nachweislich helfen. Wir empfehlen keine Mittel, Potenzen oder Dosierungen.

Heuschnupfen kurz erklärt

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen. Es bildet Antikörper, und bei erneutem Kontakt setzen Zellen Botenstoffe wie Histamin frei. Die Folgen sind Niesen, eine laufende oder verstopfte Nase und oft tränende, juckende Augen.[1] In Industrieländern wie Deutschland hat etwa jeder Vierte einen allergischen Schnupfen. Bei den meisten beginnen die Beschwerden vor dem 20. Lebensjahr.[1]

Birkenkätzchen mit feinem gelbem Blütenstaub an einem Zweig vor blauem Himmel
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Wann die Beschwerden auftreten, hängt vom Auslöser ab. Das IQWiG nennt diese ungefähren Flugzeiten häufiger Allergieauslöser:[1]

PflanzePollenflug etwa
HaselFebruar
ErleMärz
BirkeApril
EscheMitte April bis Mitte Mai
Buche und EicheMai
GräserMitte Mai bis Mitte August
BeifußMitte Juli bis Ende August
AmbrosiaSeptember

Weil es durch den Klimawandel wärmer wird, blühen manche Pflanzen inzwischen früher, länger und stärker. Eine Hausstauballergie dagegen macht das ganze Jahr über Beschwerden, meist schwächere als Pollen. Ob jemand eine Allergie entwickelt, hängt teils von der Familie ab, Luftverschmutzung und Zigarettenrauch erhöhen das Risiko. Fachleute vermuten außerdem, dass hohe Hygienestandards und seltenere Infektionen in der Kindheit dazu beigetragen haben, dass Allergien heute so verbreitet sind.[1] Für Studien heißt das: Die Pollenmenge schwankt von Jahr zu Jahr und von Woche zu Woche. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich kaum sagen, ob ein Mittel geholfen hat oder ob nur weniger Pollen flogen.

Was die Übersichtsarbeit von 2017 findet

Eine systematische Übersicht zu Homöopathie bei allergischem Schnupfen erschien 2017. Die Autoren werteten alle randomisierten Studien bis Ende 2015 aus und fanden elf geeignete Arbeiten.[2] Acht davon hatten ein hohes Verzerrungsrisiko. Nur eine einzige Studie lieferte nach ihrer Bewertung verlässliche Daten. Sie zeigte einen kleinen positiven Effekt, der statistisch nicht gesichert war.[2]

Drei Studien von unterschiedlicher Qualität prüften dasselbe pflanzliche Einzelmittel bei saisonalem Heuschnupfen. Zusammengefasst sprachen ihre Ergebnisse für das Mittel. Eine weitere Studie fand, dass ein homöopathisches und ein herkömmliches Nasenspray die Beschwerden ähnlich stark besserten.[2] Die Autoren selbst mahnen zur Vorsicht: Wegen der niedrigen oder unsicheren Qualität der Studien lassen sich keine festen Schlüsse ziehen. Für das Einzelmittel und das Nasenspray halten sie höchstens kleine Effekte für möglich.[2]

Der Verbund der europäischen Wissenschaftsakademien (EASAC) kam 2017 nach Sichtung der großen Bewertungen zu dem Schluss, dass es für keine bekannte Krankheit robuste und wiederholbare Belege für eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus gibt. Behauptete Erfolge erklärt er mit dem Placeboeffekt, mit schwachem Studiendesign, Zufall, dem Rückgang zur Mitte und der bevorzugten Veröffentlichung positiver Ergebnisse.[3]

Vergleich mit herkömmlichen Mitteln

Neben Placebostudien gibt es Studien, in denen ein homöopathisches Präparat gegen ein herkömmliches Medikament antritt. Eine Übersicht von 2019 fand 17 solcher Studien zu 15 verschiedenen Erkrankungen. 14 davon hatten insgesamt ein hohes Verzerrungsrisiko, die übrigen drei ein unklares.[7] Bei Heuschnupfen verglich eine Studie ein homöopathisches Präparat mit dem Wirkstoff Cromoglicinsäure, einem Chromon. Zusammen mit Studien zu Schwindel ergab sich kein Unterschied zum Vergleichsmittel. Die Autoren betonen, dass die Daten keine eindeutige Aussage zur vergleichbaren Wirksamkeit erlauben.[7] Ein fehlender Unterschied zu einem Vergleichsmittel beweist außerdem nicht, dass beide wirken, solange keine Placebogruppe mitläuft.

Isopathie: das Allergen in Hochpotenz

Sechs der elf Studien aus der Übersicht verwendeten die Isopathie. Dabei bekommt der Patient den Stoff, gegen den er allergisch ist, also etwa Pollen oder Hausstaubmilben, in homöopathischer Verdünnung. Auch bei der Hyposensibilisierung aus der Allergologie bekommt man das Allergen, allerdings in niedrigen Dosen, die regelmäßig gespritzt oder unter die Zunge gegeben werden.[1] Die Ergebnisse der sechs Isopathie-Studien ließen sich nicht zusammenfassen, weil sich die Studien zu stark unterschieden und Daten fehlten. Ob Isopathie bei allergischem Schnupfen wirkt, bleibt nach der Übersicht unklar.[2] Wie stark homöopathische Mittel verdünnt sind, erklärt die Seite Potenzen: D, C, Q und LM erklärt.

Apothekerin schüttelt im hellen Labor ein kleines unbeschriftetes Glasfläschchen
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Eine Studie aus Glasgow erschien im Jahr 2000. 51 Menschen mit ganzjährigem allergischem Schnupfen bekamen entweder ihr Hauptallergen in der Potenz C30 oder ein Placebo. In der Homöopathiegruppe besserte sich der gemessene Luftstrom durch die Nase stärker. Bei den Beschwerden, die die Teilnehmer selbst auf einer Skala angaben, gab es im Mittel keinen signifikanten Unterschied.[4] Anfängliche Verschlechterungen traten unter Homöopathie häufiger auf: bei 7 Patienten (30 Prozent) gegenüber 2 (7 Prozent) unter Placebo.[4] Die Autoren rechneten ihre Daten mit drei früheren Studien derselben Reihe zusammen und schlossen, die objektiven Ergebnisse bestärkten frühere Hinweise, dass sich homöopathische Verdünnungen von Placebo unterscheiden.[4] Im Januar 2001 druckte das BMJ dazu mehrere Leserbriefe mit Einwänden. Ein Atemwegsmediziner hob hervor, dass gemessener Luftstrom und selbst angegebene Beschwerden auseinanderliefen.[8] Ein anderer Leserbrief hielt die Ergebnisse für nicht überzeugend zugunsten der Homöopathie.[9] Was es mit solchen Verschlechterungen auf sich hat, steht unter Erstverschlimmerung: was dahintersteckt.

Eine deutlich größere Studie aus Südengland prüfte 2002 dieselbe Idee bei Asthma. 242 Menschen mit Asthma und Hausstaubmilbenallergie aus 38 Hausarztpraxen nahmen teil. Bei den meisten Messwerten gab es keinen Unterschied zwischen Homöopathie und Placebo. In der dritten Woche ging es der Homöopathiegruppe bei Stimmung und Asthmabeschwerden sogar schlechter. Die Autoren schrieben, die homöopathische Immuntherapie sei bei Asthma nicht wirksam.[5]

Allergisches Asthma

Aus einem allergischen Schnupfen kann sich nach einigen Jahren ein allergisches Asthma entwickeln.[1] Für Homöopathie bei chronischem Asthma gibt es eine Cochrane-Übersicht. Sie umfasst sechs placebokontrollierte Doppelblindstudien mit zusammen 556 Teilnehmern. Deren Ergebnisse zur Lungenfunktion widersprachen sich. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Belege nicht ausreichen, um eine mögliche Rolle der Homöopathie bei Asthma verlässlich zu bewerten.[6]

Was nachweislich hilft

Zur Behandlung von Heuschnupfen stehen nach Angaben des IQWiG mehrere Gruppen von Medikamenten zur Verfügung: Antihistaminika, Kortikosteroide, Chromone, Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten sowie abschwellende Nasentropfen und Nasensprays. Salzhaltige Nasensprays und Nasenduschen können Beschwerden lindern, ersetzen Medikamente meist aber nicht ganz.[1]

Mann schließt am Abend das Schlafzimmerfenster, draußen liegt eine blühende Wiese
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Eine Behandlung, mit der du langfristig unempfindlicher gegen das Allergen werden kannst, ist die Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie genannt. Dabei bekommst du regelmäßig niedrige Dosen des Allergens, entweder als Spritze unter die Haut oder unter die Zunge. Die Behandlung dauert mindestens drei bis fünf Jahre und kann die Beschwerden langfristig abschwächen.[1]

Im Alltag lässt sich die Pollenbelastung senken, wenn du in Zeiten mit starkem Pollenflug die Fenster geschlossen hältst und vor dem Schlafengehen die Haare wäschst. Pollenflugvorhersagen gibt es etwa beim Deutschen Wetterdienst.[1]

Warnzeichen für den Arztbesuch

Ob hinter Niesen und Augenjucken wirklich eine Allergie steckt und gegen welche Stoffe, klärt ein Allergietest. Beim Pricktest werden mögliche Allergene mit etwas Abstand auf den Unterarm aufgetragen und die Haut wird leicht eingeritzt. Rötet sich eine Stelle und schwillt an wie bei einem großen Mückenstich, reagierst du auf diesen Stoff. Manchmal sind zusätzlich eine Blutuntersuchung oder ein Provokationstest an Nase oder Auge nötig.[1] Erst mit diesem Wissen lässt sich eine Hyposensibilisierung planen.

Ärztlich abklären solltest du vor allem diese Beschwerden:

  • Husten, pfeifende Atmung oder Kurzatmigkeit, die zu den Heuschnupfenbeschwerden dazukommen[1]
  • Beschwerden nach bestimmten Nahrungsmitteln, denn eine Pollenallergie kann sich auf Lebensmittel ausweiten (Kreuzallergie)[1]
  • starke Beschwerden, weil sie Folgeerkrankungen wie eine Nasennebenhöhlenentzündung nach sich ziehen können[1]

Ein allergischer Schnupfen macht die Schleimhaut der Atemwege oft überempfindlich, sodass auch Zigarettenrauch oder trockene Heizungsluft Beschwerden auslösen.[1] Wer schon Asthma hat, bekommt in der Pollenzeit häufig mehr Anfälle als sonst.[1]

Warum sich viele Menschen mit Globuli trotzdem besser fühlen, erklärt die Seite Der Placeboeffekt. Wie Studien zur Homöopathie insgesamt ausfallen, steht unter Was Studien zur Homöopathie zeigen. Wenn juckende Haut zu deinen Beschwerden gehört, findest du die Studienlage auf der Seite Homöopathie bei Hautproblemen.

  1. Organisation Heuschnupfen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 31.05.2023. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Banerjee K, Mathie RT, Costelloe C, Howick J: Homeopathy for Allergic Rhinitis: A Systematic Review. Journal of Alternative and Complementary Medicine 23(6). Stand 06/2017. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. European Academies' Science Advisory Council (EASAC). Stand 09/2017. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Taylor MA, Reilly D, Llewellyn-Jones RH, McSharry C, Aitchison TC: Randomised controlled trial of homoeopathy versus placebo in perennial allergic rhinitis with overview of four trial series. BMJ 321(7259). Stand 08/2000. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Lewith GT, Watkins AD, Hyland ME et al.: Use of ultramolecular potencies of allergen to treat asthmatic people allergic to house dust mite: double blind randomised controlled clinical trial. BMJ 324(7336). Stand 03/2002. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie McCarney RW, Lasserson TJ, Linde K, Brinkhaus B: An overview of two Cochrane systematic reviews of complementary treatments for chronic asthma: acupuncture and homeopathy. Respiratory Medicine 98(8). Stand 08/2004. abgerufen am 29.10.2026
  7. Studie Mathie RT, Fok YYY, Viksveen P, To AKL, Davidson JRT: Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised, Other-than-Placebo Controlled, Trials of Non-Individualised Homeopathic Treatment. Homeopathy 108(2). Stand 05/2019. abgerufen am 29.10.2026
  8. Studie Lipworth BJ: Homoeopathy versus placebo in perennial allergic rhinitis. Study shows dissociation between objective and subjective responses to homoeopathy in allergic rhinitis (Leserbrief). BMJ 322(7279):169. Stand 01/2001. abgerufen am 29.10.2026
  9. Studie Windeler J: Homoeopathy versus placebo in perennial allergic rhinitis. Results of study were not convincingly in favour of homoeopathy (Leserbrief). BMJ 322(7279):170. Stand 01/2001. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.