Was die Wissenschaft sagt

Große Übersichtsarbeiten finden für keine Krankheit verlässliche Belege, dass Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus wirkt. Zu diesem Ergebnis kommen der australische NHMRC 2015 und der Rat der europäischen Wissenschaftsakademien 2017. Als Risiko nennt der EASAC vor allem, dass wirksame Behandlung zu spät beginnt.

Helle Laborbank mit Mikroskop, einem Ständer mit kleinen Glasfläschchen und einem geschlossenen Notizbuch im Tageslicht
Bild: KI-generiert

Ob homöopathische Mittel wirken, wird seit Jahrzehnten in Studien untersucht. Inzwischen gibt es viele Einzelstudien und mehrere große Übersichtsarbeiten, die sie zusammenfassen. In diesem Bereich steht, was diese Arbeiten zeigen, wie sie entstanden sind, warum sich Patienten trotzdem oft besser fühlen und welche Risiken Fachgremien sehen.

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Was große Übersichtsarbeiten zeigen

2005 verglich eine Arbeitsgruppe der Universität Bern 110 placebokontrollierte Homöopathie-Studien mit 110 passenden Studien zu konventionellen Arzneimitteln. In großen Studien hoher Qualität blieb für die Homöopathie nur ein schwacher Hinweis auf eine spezifische Wirkung. Die Autoren halten das für vereinbar mit der Annahme, dass die Effekte der Homöopathie Placeboeffekte sind.[1]

Hohe Stapel gebundener Fachzeitschriften mit schlichten Rücken auf einem langen Bibliothekstisch im Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Der australische National Health and Medical Research Council (NHMRC) wertete 57 systematische Übersichtsarbeiten zu 68 Gesundheitsproblemen aus. Er fand 2015 keine Erkrankung, für die verlässliche Belege eine Wirkung zeigen.[2, 5] Der Rat der europäischen Wissenschaftsakademien (EASAC) kam 2017 zum selben Schluss: Für keine bekannte Krankheit gibt es belastbare, wiederholbare Belege, dass Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus wirkt.[2]

Was die Physik dazu sagt

Viele homöopathische Mittel sind so stark verdünnt, dass vom Ausgangsstoff nichts mehr übrig ist. Manche Homöopathen nehmen an, das Wasser bewahre durch das Verschütteln eine Art Abdruck des Stoffes. Der EASAC hält diese Vorstellung für widerlegt: Gelöste Stoffe beeinflussen die Struktur des Wassers nur über Nanometer und nur im Bereich von Nanosekunden oder kürzer. Das reicht nicht aus, um eine Wirkung zu erklären.[2] Mehr dazu steht auf der Seite Verdünnung, Avogadro-Zahl und Wassergedächtnis.

Warum Patienten trotzdem eine Besserung erleben

Viele Menschen berichten, dass es ihnen nach einer homöopathischen Behandlung besser ging. Der EASAC erklärt das mit dem Placeboeffekt, dem natürlichen Verlauf einer Krankheit und der Regression zur Mitte, also der Neigung schwankender Beschwerden, sich nach einem Tiefpunkt wieder zu bessern.[2]

Was daraus folgt

Als erstes Risiko nennt der EASAC, dass Menschen eine wirksame Behandlung verspätet oder gar nicht suchen.[2] Er empfiehlt, dass öffentliche Gesundheitssysteme homöopathische Mittel und Leistungen nur erstatten, wenn Wirksamkeit und Sicherheit in strengen Prüfungen belegt sind.[2] In Deutschland können homöopathische Arzneimittel seit dem 30.07.2026 nicht mehr zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz). Als freiwillige Satzungsleistung dürfen Kassen sie noch bis zum 31.12.2026 erstatten, ab dem 01.01.2027 ist das ausgeschlossen.[3, 4] Einzelheiten stehen im Bereich Recht und Kosten. Was Studien zu einzelnen Beschwerden zeigen, steht im Bereich Homöopathie bei Beschwerden.

  1. Studie Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. The Lancet 366(9487), S. 726 bis 732. Stand 2005. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. European Academies' Science Advisory Council (EASAC). Stand 09/2017. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am 30. Juli 2026 in Kraft getreten: Änderungen, die sofort umzusetzen sind (Infoletter). Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt. Stand 31.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in Kraft: Was sich für Praxen ändert. Deutsches Ärzteblatt. Stand 30.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde NHMRC Information Paper: Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions. National Health and Medical Research Council (NHMRC), Australien. Stand 03/2015. abgerufen am 29.10.2026

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