Grundlagen der HomöopathieRatgeber

Homöopathie, Schüßler-Salze und Bachblüten: die Unterschiede

Homöopathie beruht auf dem Ähnlichkeitsprinzip und stufenweise verdünnten Mitteln aus Pflanzen, Mineralien und tierischen Stoffen. Schüßler-Salze sind zwölf verdünnte Mineralsalze, mit denen Wilhelm Heinrich Schüßler einen Mineralstoffmangel der Zellen ausgleichen wollte. Bachblüten sind 38 Blütenessenzen von Edward Bach, die auf Gemütszustände zielen; für keines der drei Verfahren ist eine Wirkung über Placebo belegt.

Weiße Kügelchen, kleine weiße Tabletten und ein braunes Tropffläschchen neben frischen Wiesenblumen auf Leinen
Bild: KI-generiert

Homöopathische Globuli, Schüßler-Salze und Bachblüten werden oft in einem Atemzug genannt. Sie stammen aber von drei verschiedenen Ärzten aus drei Jahrhunderten und beruhen auf unterschiedlichen Ideen. Die Seite stellt Begründer, Herstellung, rechtliche Einordnung und Studienlage nebeneinander. Wir empfehlen keine Mittel, Potenzen oder Dosierungen.

Die drei Verfahren im Überblick

HomöopathieSchüßler-SalzeBachblüten
BegründerSamuel Hahnemann (1755 bis 1843)Wilhelm Heinrich Schüßler (1821 bis 1898)Edward Bach (gestorben 1936)
Entstehung17961874 ("Eine abgekürzte Therapie")1920er- und 1930er-Jahre
GrundideeÄhnliches mit Ähnlichem behandelnMangel an Mineralsalzen in den Zellen ausgleichenauf Gemütszustände und Gefühle einwirken
AusgangsstoffePflanzen, Mineralien, tierische Stoffeanorganische MineralsalzeBlüten und Pflanzenteile
Herstellungstufenweise verdünnt und verschütteltverdünnt, meist D6 oder D12Blüten in Wasser, gemischt mit Brandy
Zahl der Mittelsehr vieleanfangs zwölf, später elf, dazu Ergänzungsmittel38

Homöopathie: Ähnliches mit Ähnlichem

Die Homöopathie geht auf den Arzt Samuel Hahnemann zurück, der 1755 in Meißen geboren wurde und 1843 in Paris starb. Seinen Ähnlichkeitssatz veröffentlichte er 1796.[2] Danach soll ein Stoff, der bei Gesunden bestimmte Beschwerden auslöst, Kranke mit ähnlichen Beschwerden heilen. Der zweite Grundsatz ist das schrittweise Verdünnen und Verschütteln, das die Wirksamkeit steigern soll.[1] Welche Beschwerden ein Stoff auslöst, sollen Arzneiprüfungen an Gesunden zeigen.[2]

Die Ausgangsstoffe sind Pflanzen, Mineralien oder tierische Stoffe.[10] Aus ihnen entstehen Urtinkturen oder Verreibungen, die in Stufen von 1 zu 10 (D-Potenzen) oder 1 zu 100 (C-Potenzen) verdünnt und von Hand verschüttelt werden.[3] Was die Kürzel bedeuten, erklärt Potenzen: D, C, Q und LM erklärt, die Grundidee Was ist Homöopathie?

Schüßler-Salze: die Lehre vom Mineralstoffmangel

Wilhelm Heinrich Schüßler wurde am 21.08.1821 in Bad Zwischenahn geboren. Er studierte ohne Abitur in Paris, Berlin und Gießen, holte die Reifeprüfung nach, legte 1857 in Oldenburg das medizinische Staatsexamen ab und erhielt im Januar 1858 die Approbation. Danach ließ er sich in Oldenburg als homöopathischer Arzt nieder.[4] Mit der Zeit wandte er sich von der Homöopathie ab. Das Ähnlichkeitsprinzip und die Arzneiprüfung am Gesunden verwarf er, und 1876 trat er nach Anfeindungen aus dem Centralverein homöopathischer Ärzte aus.[4]

Grobe Kristalle verschiedener heller Mineralsalze in kleinen Glasschalen auf einem Holztisch
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Sein Hauptwerk "Eine abgekürzte Therapie" erschien 1874 und hatte zunächst 16 Seiten. Schüßler ging davon aus, dass Krankheiten auf gestörte Zellfunktionen zurückgehen, und stützte sich dabei auf die Zellularpathologie von Rudolf Virchow. Seine Mittel sollten einen Mangel an Mineralsalzen ausgleichen.[4] Anfangs nannte er zwölf Salze. Calciumsulfat strich er nach einigen Jahren wieder, weil unklar war, ob es in allen Geweben vorkommt. Es blieben elf Mittel.[4] Seine Nachfolger fügten weitere Salze hinzu, darunter Albert Reiff in den frühen 1920er-Jahren. Die Auswahl dieser Ergänzungsmittel ist bis heute uneinheitlich.[4]

Um einen Mangel festzustellen, sollte nach Schüßlers Regeln die sogenannte Antlitzanalyse dienen, also ein Blick auf Gesichtsfarbe und Falten. Schüßler legte außerdem fest, dass seine Regeln nach seinem Tod nicht geändert werden dürfen.[6]

Verbreitet wurde die Lehre vor allem von Laien. Der vermutlich 1890 gegründete Biochemische Bund ging 1922 im Biochemischen Bund Deutschland auf, der 1928 über 180.000 Anhänger zählte.[4] Neben Virchow prägte ihn Jakob Moleschott mit seiner materialistischen Sicht auf die Mineralien im Stoffwechsel. Schüßler besaß 23 Werke von ihm.[4]

Wie Schüßler-Salze hergestellt und eingeordnet werden

Schüßler-Salze sind anorganische Salze wie Natriumchlorid, Natriumphosphat, Kaliumphosphat oder Calciumfluorid. Sie werden meist in den Potenzen D6 oder D12 angeboten, überwiegend als Tabletten mit Milchzucker. Für Menschen mit Laktoseunverträglichkeit gibt es Tropfen mit Alkohol oder Globuli aus Rohrzucker.[5] Eine D6 entspricht einer Verdünnung von 1 zu einer Million, eine D12 von 1 zu einer Billion. Die Tabletten bestehen deshalb vor allem aus Zucker.[6]

Dass Schüßler seine Mineralsalze verdünnt gab, obwohl er einen Mangel ausgleichen wollte, nennt der Apotheker Axel Helmstädter "schwer zu verstehen". Schüßler selbst erklärte es damit, dass verdünnte Lösungen über die Mundschleimhaut aufgenommen würden.[4] Arzneimittelrechtlich gelten Schüßler-Salze als homöopathische Arzneimittel. Ausgewählt werden sie aber nicht nach dem Ähnlichkeitsprinzip und nicht nach homöopathischen Arzneimittelbildern.[5]

Bachblüten: 38 Essenzen für Gemütszustände

Edward Bach studierte Medizin in Birmingham und am University College Hospital in London und wurde 1912 Arzt. Er arbeitete als Bakteriologe und Pathologe und befasste sich mit Impfstoffen. Am Royal London Homoeopathic Hospital entwickelte er aus dieser Arbeit sieben homöopathische Nosoden, obwohl er selbst kein Homöopath war.[8] 1930 gab er seine Praxis in London auf, um nach Heilmitteln in der Natur zu suchen. Er starb am 27.11.1936.[8]

Eine Glasschale mit Wasser und schwimmenden Blütenköpfen steht in der Sonne auf einer Wiese
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Nach Angaben des Bach Centre in England, das sein Werk weiterführt, entdeckte er alle 38 Mittel in den 1920er- und 1930er-Jahren.[7] Er prüfte dafür über mehrere Jahre Tausende Pflanzen, fand zuerst 19 Mittel und später 19 weitere.[8] Jedes Mittel soll einem bestimmten Gemütszustand oder Gefühl zugeordnet sein. Der Ansatz zielt auf das seelische Befinden.[8]

Hergestellt werden die Essenzen auf zwei Arten. Bei der Sonnenmethode schwimmen Blütenköpfe drei Stunden lang in direktem Sonnenlicht in reinem Wasser. Bei der Kochmethode werden die blühenden Pflanzenteile eine halbe Stunde in reinem Wasser gekocht. Danach wird das Wasser gefiltert und zu gleichen Teilen mit Brandy als Konservierungsmittel gemischt. Das ergibt die Urtinktur.[7] Für die Fläschchen im Handel werden zwei Tropfen davon auf 30 Milliliter verdünnt.[7] Eine schrittweise Verdünnung mit Verschütteln wie bei homöopathischen Potenzen beschreibt das Bach Centre nicht.[7]

Die wichtigsten Unterschiede

Am deutlichsten unterscheiden sich die drei Verfahren in ihrer Grundidee. Die Homöopathie wählt ein Mittel nach der Ähnlichkeit zwischen den Beschwerden des Kranken und den Prüfsymptomen bei Gesunden.[1] Schüßler lehnte genau dieses Prinzip ab und wollte stattdessen einen angenommenen Mineralstoffmangel ausgleichen.[4] Bach ging es um Gemütszustände und Gefühle.[8]

Auch die Herstellung ist verschieden. Homöopathische Mittel und Schüßler-Salze werden stufenweise verdünnt, Bachblüten-Essenzen dagegen aus Blüten in Wasser gewonnen und nur einmal weiter verdünnt.[3, 5, 7] Die Zahl der Mittel reicht von sehr vielen in der Homöopathie über elf Salze bei Schüßler, die seine Nachfolger erweitert haben, bis zu genau 38 Blütenessenzen bei Bach.[4, 7]

Was Studien zu den drei Verfahren zeigen

Für die Homöopathie werteten der australische Forschungsrat NHMRC 2015 und die europäischen Wissenschaftsakademien (EASAC) 2017 die vorhandenen Übersichtsarbeiten aus. Für keine bekannte Krankheit fanden sie robuste, wiederholbare Belege einer Wirkung über den Placeboeffekt hinaus.[1] Mehr dazu steht unter Was Studien zur Homöopathie zeigen.

Zwei Forschende besprechen sich an einem Schreibtisch mit geschlossenen Mappen
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Zu Schüßler-Salzen gibt es nach dem Stand von 2024 keine klinischen Studien. Ein pharmakologischer Nachweis einer Wirkung fehlt, und wegen der starken Verdünnung ist er auch nicht zu erwarten.[5] Helmstädter erklärt die Beliebtheit der Mittel mit Erfahrungsberichten von Anwendern.[4]

Zu Bachblüten hat der Medizinforscher Edzard Ernst 2010 alle randomisierten Studien zusammengetragen, die er in fünf Datenbanken finden konnte. Es waren sieben, die meisten davon mit einer Placebogruppe. Keine der placebokontrollierten Studien zeigte eine Wirkung. Die verlässlichsten Studien fanden keinen Unterschied zwischen Blütenessenzen und Placebo.[9] Warum sich Menschen trotzdem oft besser fühlen, erklärt Der Placeboeffekt.

Worauf du achten solltest

Im Internet werden Schüßler-Salze auch bei ernsten Erkrankungen wie Schlaganfall oder Angina pectoris vorgeschlagen. Wer bei einem Schlaganfall erst eine Tablette nimmt, statt den Notruf zu wählen, riskiert schwere Folgen.[6] EASAC sieht bei der Homöopathie die größte Gefahr ebenfalls darin, dass eine wirksame Behandlung später beginnt.[1] Mehr dazu steht unter Risiken: wenn wirksame Behandlung zu spät kommt.

Achte auch auf die Inhaltsstoffe. Schüßler-Tabletten enthalten meist Milchzucker.[5] Die Urtinktur der Bachblüten besteht zur Hälfte aus Brandy.[7] Wo die Grenzen der Selbstbehandlung liegen, beschreibt Selbstbehandlung mit Homöopathie: Grenzen und Risiken.

  1. Organisation Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. European Academies' Science Advisory Council (EASAC). Stand 09/2017. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Tischner, Rudolf: Hahnemann, Samuel. Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 513 bis 514. Stand 1966. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Wie werden Homöopathika hergestellt? (Cornelia Neth). PTAheute, Deutscher Apotheker Verlag. Stand 13.10.2022. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Ein Therapeut als Kind seiner Zeit (Axel Helmstädter). Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 51/2007. Stand 17.12.2007. abgerufen am 29.10.2026
  5. Schüssler-Salze (Antwerpes F, Dodegge M, Hentschel H, Ostendorf N u. a.). DocCheck Flexikon. Stand 05.07.2024. abgerufen am 29.10.2026
  6. Schüßlersalze: Salz oder doch Zucker? (Laura Weisenburger). Apotheken Umschau, Wort & Bild Verlag. Stand 01.01.2022. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation The 38 remedies. The Dr Edward Bach Centre, Mount Vernon. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Dr Edward Bach. The Dr Edward Bach Centre, Mount Vernon. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Studie Ernst E: Bach flower remedies: a systematic review of randomised clinical trials. Swiss Medical Weekly 140, w13079. Stand 08/2010. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Homöopathie: Was Globuli, Potenzen und das Ähnlichkeitsprinzip bedeuten. aponet.de, Gesundheitsportal der deutschen Apothekerinnen und Apotheker (Avoxa). Stand 29.09.2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.