Geschichte der HomöopathieRatgeber

Samuel Hahnemann: Leben und Werk des Begründers der Homöopathie

Samuel Hahnemann wurde am 10.04.1755 in Meißen geboren und starb am 02.07.1843 in Paris. Der Arzt, Chemiker und Übersetzer formulierte 1796 das Ähnlichkeitsprinzip und fasste seine Lehre 1810 im Organon zusammen. Er gilt als Begründer der Homöopathie.

Arbeitszimmer eines Arztes aus dem 18. Jahrhundert mit Schreibtisch, Federkiel, unbeschrifteten Glasgefäßen und kleiner Messingwaage im Kerzenlicht
Bild: KI-generiert

Samuel Hahnemann gilt als Begründer der Homöopathie. Er war Arzt, Chemiker und Übersetzer, wechselte sehr oft den Wohnort und hinterließ ein umfangreiches Werk. Die Angaben stützen sich auf die Allgemeine Deutsche Biographie von 1879, die Neue Deutsche Biographie von 1966 und die Bestände seines Nachlasses in Stuttgart.

Herkunft und Ausbildung

Christian Friedrich Samuel Hahnemann kam am 10.04.1755 in Meißen zur Welt. Sein Vater Christian Gottfried Hahnemann (1720 bis 1784) war Maler an der Porzellanmanufaktur Meißen, seine Mutter Johanna Christiane war die Tochter eines Weimarer Oberquartiermeisters.[1] Hahnemann besuchte die Fürstenschule in Meißen und begann 1775 in Leipzig Medizin zu studieren. Sein Studium finanzierte er mit Übersetzungen und Sprachunterricht. Danach lernte er kurze Zeit in Wien bei dem Arzt Quarin.[1]

Von 1777 bis 1779 arbeitete er in Hermannstadt in Siebenbürgen als Hausarzt des Gouverneurs Brukenthal. Am 10.08.1779 wurde er in Erlangen zum Doktor der Medizin promoviert.[1, 2]

Arzt, Chemiker und Übersetzer

Die folgenden Jahre waren unruhig. Hahnemann praktizierte in Hettstedt und war danach Amtsarzt in Gommern bei Magdeburg, eine Stelle, die er 1784 aufgab. In Dresden arbeitete er vor allem als Chemiker, bis er die Stadt 1788 wieder verließ. Nach der Neuen Deutschen Biographie wechselte er etwa 17-mal den Wohnort, bis er sich 1805 in Torgau niederließ.[1]

1782 heiratete er Henriette Küchler (1764 bis 1830), die Tochter eines Apothekers aus Dessau. Das Paar hatte zwei Söhne und acht Töchter.[1] Neben der Praxis übersetzte Hahnemann medizinische und chemische Fachbücher. Diese Arbeit führte ihn zu der Frage, aus der die Homöopathie entstand. Die Neue Deutsche Biographie nennt ihn zudem als Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina.[1]

Der Chinarindenversuch

Hahnemann übersetzte die Arzneimittellehre des schottischen Arztes William Cullen ins Deutsche. Die Chinarinde war damals ein Mittel gegen das Wechselfieber, das heute Malaria heißt. Hahnemann prüfte Cullens Ansichten zu ihrer Wirkung und kam zu anderen Schlüssen.[1] Um die Wirkung zu prüfen, nahm er die Rinde selbst ein. Nach seiner Beschreibung bekam er dabei Beschwerden, die er mit denen des Wechselfiebers verglich.[2]

Getrocknete rotbraune Rindenstücke in einem Steinmörser mit Stößel auf einem alten Holztisch im Fensterlicht
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Nach weiteren Arzneiversuchen an sich und anderen Gesunden leitete er eine allgemeine Regel ab: Ein Stoff, der bei Gesunden bestimmte Beschwerden hervorruft, soll Kranke mit ähnlichen Beschwerden heilen. 1796 veröffentlichte er diesen Gedanken in Hufelands medizinischer Fachzeitschrift unter dem Titel "Versuch über ein neues Princip".[1, 2] Ab 1807 nannte er sein Verfahren Homöopathie.[1] 1805 hatte er bereits weitere Schriften vorgelegt, darunter "Heilkunde der Erfahrung", "Aesculap auf der Waagschale" und eine zweibändige lateinische Sammlung über die Kräfte der Arzneien, die "Fragmenta de viribus medicamentorum".[2]

Der Chinarindenversuch war ein Selbstversuch, ohne Vergleichsgruppe und ohne Verblindung. Ob sich Hahnemanns Beobachtung bei anderen wiederholen lässt, hat er so nicht klären können. Wie das Ähnlichkeitsprinzip heute bewertet wird, steht auf der Seite Das Ähnlichkeitsprinzip.

Das Organon der Heilkunst

1810 fasste Hahnemann seine Lehre in einem Buch zusammen, dem Organon. Ab der zweiten Auflage trug es den Titel "Organon der Heilkunst", die fünfte Auflage erschien 1833.[1] Das Organon beschreibt, wie ein Homöopath Krankheiten erfassen, Arzneien an Gesunden prüfen und das passende Mittel wählen soll. Bis zur fünften Auflage überarbeitete Hahnemann den Text mehrfach.[1] Homöopathen nutzen es bis heute als Grundlagentext.

Die Arzneiprüfungen an Gesunden sammelte Hahnemann in der "Reinen Arzneimittellehre", die zwischen 1811 und 1821 in sechs Bänden erschien.[1] Von 1828 an folgte das Werk "Die chronischen Krankheiten" in vier Bänden, der letzte Band erschien 1838.[1, 2] Darin entwickelte er eine eigene Theorie über die Ursache langwieriger Leiden. Wie seine Verdünnungsstufen aufgebaut sind, erklärt die Seite Potenzen: D, C, Q und LM erklärt.

Leipzig und Köthen

1811 zog Hahnemann nach Leipzig. Am 26.06.1812 erwarb er dort mit einer Schrift über die Nieswurz-Behandlung der Antike die Lehrbefugnis an der Universität und durfte seine Methode lehren.[2] In Leipzig sammelte er Schüler um sich. Mit den Leipziger Apothekern geriet er in Streit, und ihr Widerstand führte 1821 dazu, dass er die Stadt verlassen musste.[1]

Stille Kopfsteinpflastergasse in einer historischen Kleinstadt mit Barockhäusern im frühen Morgenlicht
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Im selben Jahr wurde er Leibarzt des Herzogs von Anhalt-Köthen und baute in Köthen eine große Praxis auf.[1, 2] 1830 starb seine Frau Henriette.[1] Köthen wurde in diesen Jahren zu einem Zentrum der Homöopathie: 1829 gründeten Ärzte dort den Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte, 1832 erschien die erste Ausgabe der "Allgemeinen Homöopathischen Zeitung".[3] Wie sich die Bewegung nach Hahnemann in Deutschland entwickelte, beschreibt Homöopathie in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert.

Die Jahre in Paris

1835 heiratete Hahnemann in Köthen Mélanie d'Hervilly (1800 bis 1878). Noch im selben Jahr zog das Paar nach Paris, wo er bis zu seinem Tod praktizierte.[1] Auch in Paris führte Hahnemann Krankenjournale, nun gemeinsam mit Mélanie, die in der Praxis mitarbeitete. Nach seinem Tod führte sie die Krankenjournale der Praxis bis 1863 weiter.[4]

Samuel Hahnemann starb am 02.07.1843 in Paris, nach der Allgemeinen Deutschen Biographie an einer Lähmung der Lunge. Die Allgemeine Deutsche Biographie von 1879 nennt als Grabstätte den Friedhof Montmartre.[2] Seine Heimatstadt Meißen machte ihn zum Ehrenbürger.[1] In Leipzig wurde 1851 ein Standbild für ihn aufgestellt.[2]

Der Nachlass in Stuttgart

Hahnemanns schriftlicher Nachlass liegt heute im Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart. Der Arzt Richard Haehl hatte ihn 1920 von den Erben der Familie von Bönninghausen erworben und 1926 an Robert Bosch den Älteren verkauft, weil er sein Vermögen in der Inflation verloren hatte.[4] Die Familie von Bönninghausen war über Mélanie Hahnemann an die Papiere gekommen: Carl Anton von Bönninghausen hatte Sophie Bohrer geheiratet, die Adoptivtochter Mélanies, und führte als Homöopath zunächst in Paris die Praxis mit ihr weiter.[4]

Reihe alter, geschlossener Bände mit Ledereinband auf einem Regal in einem ruhigen Archivraum
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Haehl stellte die Sammlung von 1921 bis 1932 in seinem Privathaus aus. Laut Besucherbuch kamen Homöopathen aus aller Welt, um sie zu sehen. Im Zweiten Weltkrieg lagerten die Schriften in einem Salzbergwerk. 1980 wurde die medizinhistorische Forschungsstelle der Robert Bosch Stiftung zum heutigen Institut ausgebaut.[4]

Den Kern bilden 55 erhaltene Krankenjournale, 37 in deutscher und 18 in französischer Sprache. Hahnemann begann sie einige Jahre nach seiner Entdeckung des Ähnlichkeitsprinzips und notierte darin die Behandlungen seiner Patienten in Eilenburg, Wittenberg, Dessau, Torgau, Leipzig, Köthen und Paris.[4] Seit 1986 baut das Institut eine Datenbank zu Hahnemanns Patienten auf.[4] Für die Medizingeschichte sind sie eine seltene Quelle, weil sie den Alltag einer Arztpraxis über Jahrzehnte zeigen. Mehr zur Medizin seiner Zeit steht auf der Seite Medizin und Seuchen in der Geschichte.

Wie die Wissenschaft seine Lehre heute sieht

Hahnemanns Gedanken sind über 200 Jahre alt, und die Medizin hat sich seitdem grundlegend verändert. Der Rat der europäischen Wissenschaftsakademien (EASAC) kam 2017 zu dem Ergebnis, dass die Behauptungen der Homöopathie unplausibel sind und nicht zu gesicherten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen passen. Eine Krankheit, bei der Homöopathie belastbar und wiederholbar besser wirkt als ein Placebo, sei nicht bekannt.[5]

Die EASAC nennt neben dem Ähnlichkeitsprinzip einen zweiten Grundsatz Hahnemanns: das schrittweise Verdünnen und Verschütteln, das die Wirkung steigern soll. Viele Mittel sind so oft verdünnt, dass vom Ausgangsstoff nichts mehr enthalten ist. Die Annahme, Wasser behalte eine Erinnerung an den gelösten Stoff, halten die Akademien nach physikalischen Messungen für widerlegt. Auch für die übrigen Wirkmechanismen, die Homöopathen anführen, etwa eine Lebenskraft oder elektromagnetische Signale, fehlt nach ihrer Bewertung jede wissenschaftliche Grundlage.[5] Mehr dazu steht auf der Seite Verdünnung, Avogadro-Zahl und Wassergedächtnis.

Hahnemann ließ Arzneien an Gesunden prüfen und führte über Jahrzehnte Krankenjournale, die heute im Institut für Geschichte der Medizin liegen.[4] Was Studien zur Homöopathie zeigen, fasst die Seite Was Studien zur Homöopathie zeigen zusammen. Die Zeit, in der Hahnemann aufwuchs, beschreibt Die Aufklärung.

  1. Studie Tischner, Rudolf: Hahnemann, Samuel. Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 513 bis 514. Stand 1966. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Puhlmann, Gustav: Hahnemann, Samuel. Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 374 bis 378, Wikisource. Stand 1879. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Findbuch Z Deutscher Zentralverein Homöopathischer Ärzte. Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung (IGM). Stand 28.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Beständeübersicht 2020. Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung (IGM). Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. European Academies' Science Advisory Council (EASAC). Stand 09/2017. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.