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Was Studien zur Homöopathie zeigen
Große Übersichtsarbeiten finden für keine Erkrankung verlässliche Belege, dass Homöopathie besser wirkt als ein Placebo. Je sorgfältiger eine Studie angelegt ist, desto kleiner fällt der gemessene Effekt meist aus. Einzelne positive Studien sind oft klein, nicht registriert oder methodisch schwach.

Zur Homöopathie gibt es weit über hundert klinische Studien [2], und fast jede Seite in der Debatte kann einzelne davon für sich anführen. Aussagekräftig sind deshalb vor allem die großen Übersichtsarbeiten, die viele Studien zusammen auswerten und dabei ihre Qualität prüfen. Hier findest du die wichtigsten dieser Arbeiten, was sie ergeben haben und wo Fachleute über ihre Deutung streiten.
Wie Forscher die Wirkung prüfen
Ob ein Mittel wirkt, prüft man am zuverlässigsten in einer randomisierten, kontrollierten Studie. Die Teilnehmer werden per Zufall auf zwei Gruppen verteilt, die eine bekommt das Mittel, die andere ein Scheinmittel, also ein Placebo. Bei einer doppelblinden Studie wissen weder die Teilnehmer noch die Behandelnden, wer was bekommt. Die Forschergruppe um A. Shang wertete in ihrer Analyse von 2005 genau solche Studien als methodisch hochwertiger: doppelblind und mit angemessener Zufallszuteilung [1].

Eine einzelne Studie kann durch Zufall oder durch Fehler im Aufbau ein falsches Ergebnis liefern. Systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen fassen deshalb alle auffindbaren Studien zu einer Frage zusammen. Der australische Forschungsrat NHMRC legte 2015 fest, wann eine Behandlung als wirksam gelten kann: Die Verbesserung darf sich nicht durch den Placeboeffekt erklären lassen, sie muss für die Gesundheit spürbar sein, sie darf nicht auf Zufall beruhen und sie muss sich in mehreren Studien zeigen [10].
Die großen Meta-Analysen von Linde und Shang
Eine der ersten umfassenden Auswertungen veröffentlichten K. Linde und Kollegen 1997 in der Fachzeitschrift The Lancet. Von 185 gesichteten Studien erfüllten 119 die Einschlusskriterien, 89 gingen in die Meta-Analyse ein [2]. Das zusammengefasste Ergebnis fiel zugunsten der Homöopathie aus. Die Autoren schrieben, ihre Daten seien nicht damit vereinbar, dass die Effekte vollständig auf Placebo beruhen. Zugleich fanden sie keine ausreichenden Belege, dass Homöopathie bei irgendeiner einzelnen Erkrankung eindeutig wirksam ist [2].
Dieselbe Gruppe sah sich die 89 Studien 1999 noch einmal an, diesmal mit Blick auf die Qualität. Studien, die ausdrücklich randomisiert und doppelblind waren, lieferten deutlich weniger positive Ergebnisse als die übrigen [3]. Die Autoren folgerten, dass methodisch bessere Studien zu weniger positiven Resultaten neigen [3].
Shang und Kollegen verglichen 2005 dann 110 placebokontrollierte Homöopathie-Studien mit 110 passenden Studien aus der konventionellen Medizin [1]. In beiden Gruppen zeigten kleine und schwächere Studien größere Effekte als große und sorgfältige. Beschränkt auf die großen, hochwertigen Studien blieb für die Homöopathie (acht Studien) kein statistisch gesicherter Effekt übrig, für die konventionellen Mittel (sechs Studien) schon [1]. Die Autoren sahen darin ein Ergebnis, das mit der Annahme vereinbar ist, dass die klinischen Effekte der Homöopathie Placeboeffekte sind [1].
Diese Auswahl der acht Studien blieb umstritten. R. Lüdtke und A. L. B. Rutten rechneten 2008 mit anderen Grenzen für die Studiengröße nach. Je nach gewähltem Schwellenwert änderte sich das Ergebnis. Shangs negatives Ergebnis hing nach ihrer Auswertung stark an einer einzelnen Studie mit 400 Langstreckenläufern, und die Schlussfolgerungen seien wegen der großen Unterschiede zwischen den Studien weniger eindeutig als dargestellt [4]. Über alle 21 hochwertigen Studien gerechnet fanden Lüdtke und Rutten einen knapp statistisch gesicherten Effekt über Placebo hinaus [4].
Die Übersichtsarbeiten von Mathie
R. T. Mathie und Kollegen untersuchten getrennt, wie individuell verordnete und standardisiert eingesetzte Homöopathie in Studien abschneidet. Für die individuelle Homöopathie fanden sie 2014 insgesamt 32 Studien zu 24 Erkrankungen. Zwölf hatten ein unklares, 20 ein hohes Verzerrungsrisiko, und nur drei erfüllten die Kriterien für verlässliche Belege [5]. Über die 22 Studien mit auswertbaren Daten ergab sich ein Odds Ratio von 1,53 zugunsten der Homöopathie (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,22 bis 1,91). Die Autoren hielten kleine spezifische Effekte für möglich, betonten aber, dass die Qualität der Belege insgesamt niedrig oder unklar sei und die Ergebnisse vorsichtig zu deuten seien [5].
2017 folgte die Auswertung von 75 Studien zur nicht individualisierten Homöopathie bei 48 Erkrankungen. 49 Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko, drei galten als verlässlich [6]. Über die 54 Studien mit auswertbaren Daten ergab sich ein kleiner Effekt zugunsten der Homöopathie, der nach Korrektur für nicht veröffentlichte Studien kleiner wurde und knapp statistisch gesichert blieb. Die drei verlässlichen Studien zusammen zeigten keinen statistisch gesicherten Unterschied zu Placebo, und für keine einzelne Erkrankung gab es verlässliche Belege [6].
Cochrane-Reviews zu einzelnen Beschwerden
Die Cochrane Collaboration erstellt Übersichtsarbeiten nach festen, vorab veröffentlichten Regeln. Zur Homöopathie gibt es solche Reviews unter anderem zu Asthma, Demenz, Geburtseinleitung, ADHS, Reizdarm und Grippe. Nach der Zusammenfassung der europäischen Wissenschaftsakademien (EASAC) kamen sie alle zu dem Ergebnis, dass es keine oder zu wenige Belege gibt, um eine mögliche Wirkung verlässlich zu beurteilen [11].
Drei Beispiele zeigen, wie dünn die Datenlage teilweise ist. Für Demenz fand der Cochrane-Review von 2003 keine einzige Studie, die die Einschlusskriterien erfüllte [8]. Bei ADHS lagen 2007 vier Studien mit zusammen 168 Teilnehmern vor, und die Autoren sahen wenig Belege für eine Wirksamkeit [7]. Ein Cochrane-Review zu Atemwegsinfekten bei Kindern von 2022 fand keinen beständigen Nutzen gegenüber Placebo, weder beim Vorbeugen noch beim Behandeln. Zur Sicherheit konnten die Autoren keine Aussage treffen, weil Nebenwirkungen in den Studien schlecht dokumentiert waren [9]. Was die Studien je Beschwerdegruppe zeigen, steht unter Homöopathie bei Beschwerden.
Gutachten von Forschungsräten und Akademien
Der australische National Health and Medical Research Council wertete für sein Gutachten von 2015 insgesamt 57 systematische Übersichtsarbeiten mit 176 Einzelstudien aus [10]. Sein Ergebnis: Es gibt keine Erkrankung, für die verlässliche Belege einer Wirkung der Homöopathie vorliegen [10]. Wie der Bericht entstand und welche Kritik es daran gab, erklärt die Seite Der australische NHMRC-Bericht von 2015.
Der Rat der europäischen Wissenschaftsakademien EASAC schloss sich 2017 an. Für keine bekannte Krankheit gebe es robuste, wiederholbare Belege, dass Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus wirkt [11]. Behauptete Wirkungen lassen sich nach EASAC durch den Placeboeffekt, schwache Studienplanung, Zufall, die Rückkehr zum Mittelwert oder das Zurückhalten negativer Ergebnisse erklären [11]. EASAC zitiert auch den Wissenschaftsausschuss des britischen Unterhauses, der 2010 zu dem Schluss kam, homöopathische Mittel schnitten nicht besser ab als Placebo [11].
In Deutschland suchte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) 2017 im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums nach Studien zu Homöopathie gegen Geburtsschmerzen. Es fand nur drei randomisierte Studien, eine nicht randomisierte Studie und fünf Übersichtsarbeiten; die Qualität der Studien bewertete der Bericht nicht [13].
Warum kleine Studien oft besser abschneiden
Ein Muster zieht sich durch fast alle Auswertungen: Kleine Studien und Studien mit Schwächen im Aufbau zeigen größere Effekte als große und sorgfältige [1, 3]. Das gilt nach Shang für die Homöopathie ebenso wie für die konventionelle Medizin [1].

Hinzu kommt, dass nicht alle Studien veröffentlicht werden. G. Gartlehner und Kollegen prüften 2022 Studienregister und Fachdatenbanken. Fast 38 Prozent der registrierten Homöopathie-Studien waren nicht veröffentlicht, und die Hälfte der veröffentlichten randomisierten Studien war nie registriert worden [12]. Bei 25 Prozent der Studien hatte sich das Hauptzielkriterium zwischen Registrierung und Veröffentlichung geändert. Nicht registrierte Studien zeigten deutlich größere Behandlungseffekte als registrierte, und bei den registrierten Studien war kein statistisch gesicherter Effekt nachweisbar [12]. Die Autoren halten es für möglich, dass die Literatur die Wirkung homöopathischer Mittel überschätzt [12].
Was die Studienlage in der Praxis bedeutet
Der NHMRC rät, Homöopathie nicht bei chronischen, ernsten oder möglicherweise ernst werdenden Erkrankungen einzusetzen. Wer eine wirksame Behandlung ablehnt oder hinauszögert, kann seine Gesundheit gefährden [10]. EASAC sieht dasselbe Risiko [11]. Was das im Einzelnen heißt, beschreibt die Seite Risiken: wenn wirksame Behandlung zu spät kommt. Warum sich viele Menschen nach einer homöopathischen Behandlung trotzdem besser fühlen, erklärt der Artikel über den Placeboeffekt.
Die Studienlage spielt auch in der Gesundheitspolitik eine Rolle. EASAC empfahl 2017, die Erstattung homöopathischer Mittel ohne belastbare Wirkungsbelege zu überdenken [11]. In Deutschland gilt seit dem 30.07.2026 mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz: Homöopathische und anthroposophische Arzneimittel können nicht mehr zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Als freiwillige Satzungsleistung dürfen Kassen sie noch bis zum 31.12.2026 erstatten, ab dem 01.01.2027 ist das ausgeschlossen [14, 15]. Einzelheiten stehen unter Zahlt die Krankenkasse Homöopathie?, die Lage in der privaten Krankenversicherung unter Brille, Heilpraktiker und Hilfsmittel.
Woran du eine aussagekräftige Studie erkennst
Wenn dir eine Studie als Beleg für Homöopathie begegnet, helfen ein paar Fragen, die sich direkt aus den Kriterien der Übersichtsarbeiten ergeben. Wie viele Teilnehmer hatte sie? Gab es eine Placebogruppe, wurde per Zufall zugeteilt, und wussten weder Teilnehmer noch Behandelnde, wer was bekam [1]? War die Studie vorab in einem Register eingetragen, und stimmt das dort genannte Hauptziel mit dem veröffentlichten überein [12]? Und hat jemand das Ergebnis in einer weiteren Studie bestätigt [10]?

Eine einzelne positive Studie beweist wenig, solange große und sorgfältige Studien zur selben Frage nichts finden. Welche Aussagen Werbung für homöopathische Mittel machen darf, steht unter Was Werbung für Homöopathie darf.
- Studie Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. The Lancet 366(9487), S. 726 bis 732. Stand 08/2005. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Linde K, Clausius N, Ramirez G, Melchart D, Eitel F, Hedges LV, Jonas WB: Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? A meta-analysis of placebo-controlled trials. The Lancet 350(9081), S. 834 bis 843. Stand 09/1997. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Linde K, Scholz M, Ramirez G, Clausius N, Melchart D, Jonas WB: Impact of study quality on outcome in placebo-controlled trials of homeopathy. Journal of Clinical Epidemiology 52(7), S. 631 bis 636. Stand 07/1999. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Lüdtke R, Rutten ALB: The conclusions on the effectiveness of homeopathy highly depend on the set of analyzed trials. Journal of Clinical Epidemiology 61(12), S. 1197 bis 1204. Stand 10/2008. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Mathie RT u. a.: Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Systematic Reviews 3, Artikel 142. Stand 12/2014. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Mathie RT, Ramparsad N, Legg LA, Clausen J, Moss S, Davidson JR, Messow CM, McConnachie A: Randomised, double-blind, placebo-controlled trials of non-individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Systematic Reviews 6, Artikel 63. Stand 03/2017. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Coulter MK, Dean ME: Homeopathy for attention deficit/hyperactivity disorder or hyperkinetic disorder (Cochrane Review, CD005648). Cochrane Database of Systematic Reviews. Stand 10/2007. abgerufen am 29.10.2026
- Studie McCarney R, Warner J, Fisher P, Van Haselen R: Homeopathy for dementia (Cochrane Review, CD003803). Cochrane Database of Systematic Reviews. Stand 01/2003. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Hawke K, King D, van Driel ML, McGuire TM: Homeopathic medicinal products for preventing and treating acute respiratory tract infections in children (Cochrane Review, CD005974). Cochrane Database of Systematic Reviews. Stand 12/2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde NHMRC Statement: Statement on Homeopathy (CAM02). National Health and Medical Research Council (NHMRC), Australien. Stand 03/2015. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. European Academies' Science Advisory Council (EASAC). Stand 09/2017. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Gartlehner G, Emprechtinger R, Hackl M, Jutz FL, Gartlehner JE, Nonninger JN, Klerings I, Dobrescu AI: Assessing the magnitude of reporting bias in trials of homeopathy: a cross-sectional study and meta-analysis. BMJ Evidence-Based Medicine 27(6), S. 345 bis 351. Stand 03/2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde S3-Leitlinie "Vaginale Geburt am Termin": Recherche zu Homöopathie (Rapid Report V16-01C, Version 1.0). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand 27.04.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am 30. Juli 2026 in Kraft getreten: Änderungen, die sofort umzusetzen sind (Infoletter). Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt. Stand 31.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
- GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in Kraft: Was sich für Praxen ändert. Deutsches Ärzteblatt. Stand 30.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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