Grundlagen der HomöopathieRatgeber
Was ist Homöopathie?
Homöopathie ist ein Behandlungsverfahren, das Samuel Hahnemann 1796 begründete. Kranke erhalten einen Stoff, der bei Gesunden ähnliche Beschwerden hervorrufen soll, meist stark verdünnt und verschüttelt. Große Übersichtsarbeiten fanden für keine Krankheit verlässliche Belege einer Wirkung über den Placeboeffekt hinaus.

Homöopathie ist ein Behandlungsverfahren mit stark verdünnten Mitteln, das vor über 200 Jahren entstand. In Deutschland gelten homöopathische Mittel als Arzneimittel, verkauft werden sie in der EU vor allem über Apotheken.[2] Die Seite behandelt Grundsätze, Herstellung, Rechtslage und Forschungsstand. Wir empfehlen keine Mittel, Potenzen oder Dosierungen.
Woher die Homöopathie kommt
Begründer ist der Arzt Samuel Hahnemann, geboren am 10.04.1755 in Meißen, gestorben am 02.07.1843 in Paris.[3] Als er die Ansichten des Edinburgher Arztes William Cullen zur Chinarinde nachprüfte, kam er zu anderen Ergebnissen als dieser. Daraus entwickelte er seinen Ähnlichkeitssatz, den er 1796 in Hufelands Journal der praktischen Arzneikunde veröffentlichte.[3] Die europäischen Wissenschaftsakademien nennen 1796 deshalb als Geburtsjahr der Homöopathie.[2]

1810 fasste Hahnemann seine Lehre im "Organon" zusammen. Von 1811 bis 1821 folgte die "Reine Arzneimittellehre" mit den Ergebnissen seiner Arzneiprüfungen an Gesunden, von 1828 bis 1838 das Werk "Die chronischen Krankheiten".[3] 1835 zog er nach Paris, die Heimat seiner zweiten Frau, und führte dort eine große Praxis.[3] Mehr zu seinem Leben steht unter Samuel Hahnemann: Leben und Werk.
Die Grundsätze der Homöopathie
Der erste Grundsatz ist das Ähnlichkeitsprinzip, lateinisch "similia similibus". Ein Stoff, der bei Gesunden bestimmte Beschwerden auslöst, soll bei Kranken mit ähnlichen Beschwerden helfen.[2] Welche Beschwerden ein Stoff auslöst, sollte nach Hahnemann die Prüfung am gesunden Menschen zeigen. Freiwillige nehmen den Stoff ein und schreiben genau auf, wie sich ihr Befinden verändert.[4] Wie das Prinzip gemeint ist und was dagegen spricht, erklärt Das Ähnlichkeitsprinzip.
Der zweite Grundsatz betrifft die Gabe. Die Mittel werden schrittweise verdünnt und dabei verschüttelt. Homöopathen nennen das Potenzieren und gehen davon aus, dass die Wirkung dadurch zunimmt.[2] Hahnemann schrieb, eine Arznei werde "bei jeder Theilung und Verkleinerung durch Reiben oder Schütteln potenzirt".[4] Was die Kürzel D, C und Q bedeuten, steht unter Potenzen: D, C, Q und LM erklärt.
Dazu kommen zwei Regeln für die Behandlung. Für Hahnemann bestand eine Krankheit für den Arzt in der Gesamtheit ihrer Symptome, also allem, was der Kranke spürt und was sich an ihm beobachten lässt.[4] Und er hielt es in keinem Fall für nötig, mehr als ein einziges, einfaches Mittel auf einmal zu geben.[4] Deshalb fragen Homöopathen im Erstgespräch sehr ausführlich nach. Wie dieses Gespräch abläuft, beschreibt Die homöopathische Anamnese.
Einzelmittel, Komplexmittel und verwandte Verfahren
Nach Hahnemanns Regel bekommt ein Kranker immer nur ein Mittel. Er begründete das unter anderem damit, dass niemand wisse, wie sich zwei oder mehr gemischte Arzneistoffe in ihrer Wirkung gegenseitig hindern und verändern.[4] Viele Mittel in Apotheken folgen dieser Regel nicht. Sogenannte Komplexmittel enthalten mehrere homöopathische Bestandteile in einem Präparat, und das Arzneimittelgesetz lässt das ausdrücklich zu.[1]
Welche Berufsgruppen Homöopathie anbieten dürfen, erklärt Wer Homöopathie anbieten darf. Schüßler-Salze stehen in der Apotheke oft neben homöopathischen Mitteln und werden ebenfalls verdünnt. Ihr Begründer Wilhelm Heinrich Schüßler verwarf aber das Ähnlichkeitsprinzip und die Arzneiprüfung am Gesunden und trat 1876 aus dem Centralverein homöopathischer Ärzte aus.[11] Bachblüten beruhen auf einer ganz anderen Idee. Worin sich die drei Verfahren unterscheiden, steht unter Homöopathie, Schüßler-Salze und Bachblüten: die Unterschiede.
Wie homöopathische Mittel entstehen
Ausgangsstoffe sind Pflanzen, Mineralien oder tierische Stoffe.[12] Aus Pflanzen entsteht zum Beispiel eine Urtinktur: Die zerkleinerten Pflanzenteile werden mit Wasser und Alkohol angesetzt, nach etwa zehn Tagen gepresst und gefiltert.[5] Feste oder unlösliche Stoffe werden zuerst mit Milchzucker verrieben.[5]

Danach folgt das Verdünnen in Stufen. Bei D-Potenzen kommt auf einen Teil der Vorstufe jeweils neun Teile Lösungsmittel, also ein Verhältnis von 1 zu 10. Bei C-Potenzen ist es 1 zu 100.[5] Jede Stufe wird von Hand verschüttelt. Für Globuli wird die fertige Verdünnung auf Kügelchen aus Saccharose aufgebracht, die anschließend trocknen.[5] Die Vorgaben dafür stehen im Homöopathischen Arzneibuch (HAB).[5] Einzelheiten erklären die Seiten Wie homöopathische Mittel hergestellt werden und Globuli: was in den Kügelchen steckt.
Homöopathie im Arzneimittelrecht
Das Arzneimittelgesetz definiert ein homöopathisches Arzneimittel über seine Herstellung: Es muss nach einem homöopathischen Zubereitungsverfahren aus dem Europäischen Arzneibuch oder, falls dort keines steht, aus einem offiziell gebräuchlichen Arzneibuch eines EU-Staats hergestellt sein. Es darf auch mehrere Wirkstoffe enthalten.[1] Ob das Mittel bei einer Krankheit hilft, gehört nicht zu dieser Definition.
Homöopathische Fertigarzneimittel brauchen keine Zulassung. Sie können stattdessen in ein Register eingetragen werden. Für diese Registrierung muss der Hersteller keine Angaben über Wirkungen und Anwendungsgebiete machen und keine klinischen Prüfungen vorlegen.[6] Auf der Packung steht deshalb der Satz "Registriertes homöopathisches Arzneimittel, daher ohne Angabe einer therapeutischen Indikation". Dazu kommt der Hinweis, bei fortdauernden Krankheitssymptomen medizinischen Rat einzuholen.[7] Mehr dazu steht unter Homöopathische Mittel im Arzneimittelrecht.
Was die Forschung sagt
Die europäischen Wissenschaftsakademien (EASAC) halten die Erklärungen, mit denen Homöopathen eine Wirkung begründen, für unplausibel und unvereinbar mit gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Viele Mittel sind so oft verdünnt, dass vom Ausgangsstoff nichts mehr übrig ist.[2] Die Vorstellung, Wasser speichere durch das Verschütteln einen Abdruck des Stoffs, sieht EASAC nach dem Stand der Forschung zur Struktur von Wasser als widerlegt an.[2] Den physikalischen Hintergrund erklärt Verdünnung, Avogadro-Zahl und Wassergedächtnis.

Der australische Forschungsrat NHMRC wertete 2015 insgesamt 57 systematische Übersichtsarbeiten zu 68 Gesundheitsproblemen aus. Er fand für keine Krankheit verlässliche Belege, dass Homöopathie wirkt.[2] Eine Analyse in der Fachzeitschrift Lancet verglich 2005 jeweils 110 placebokontrollierte Studien zur Homöopathie und zur herkömmlichen Medizin. In beiden Gruppen zeigten kleine und methodisch schwächere Studien größere Effekte. In den großen, hochwertigen Studien blieb für die Homöopathie nur ein schwacher Hinweis auf eine spezifische Wirkung, für die herkömmlichen Behandlungen ein starker. Die Autoren werteten das als vereinbar mit der Annahme, dass die Wirkungen der Homöopathie Placeboeffekte sind.[8]
Hinzu kommen die Cochrane-Übersichten, die nach festen, offen gelegten Regeln arbeiten. Sie untersuchten Homöopathie unter anderem bei Asthma, Demenz, Geburtseinleitung, ADHS, Reizdarm und Grippe. Für jede dieser Anwendungen kamen sie zu dem Schluss, dass es keine oder zu wenige Belege gibt, um eine mögliche Wirkung verlässlich zu beurteilen.[2]
EASAC fasste 2017 zusammen, dass es für keine bekannte Krankheit robuste, wiederholbare Belege für eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus gibt. Dass sich Menschen nach einer Behandlung besser fühlen, erklärt EASAC mit dem Placeboeffekt, dem natürlichen Verlauf vieler Beschwerden und dem Rückgang zur Mitte.[2] Mehr dazu steht unter Was Studien zur Homöopathie zeigen und Der Placeboeffekt.
Wo Risiken liegen
In hohen Verdünnungen ist vom Ausgangsstoff nichts mehr enthalten.[2] EASAC sieht die größte Gefahr darin, dass Kranke wegen einer homöopathischen Behandlung später zu einer wirksamen, belegten Behandlung finden.[2] Auch die Qualität kann ein Problem sein: Bei homöopathischen Zahnungsmitteln für Babys in den USA wurden schwere Zwischenfälle bis hin zu Todesfällen gemeldet. Die US-Arzneimittelbehörde FDA brachte sie mit schwankenden Mengen des Ausgangsstoffs Belladonna in Verbindung.[2] Der australische Forschungsrat NHMRC riet deshalb, Homöopathie nicht zur Behandlung von Erkrankungen einzusetzen, die chronisch oder ernst sind oder ernst werden können.[2] Was das für die Selbstbehandlung heißt, beschreiben Selbstbehandlung mit Homöopathie: Grenzen und Risiken und Risiken: wenn wirksame Behandlung zu spät kommt.
Homöopathie in Ärzteschaft und Krankenkasse
Ärztinnen und Ärzte konnten früher die Zusatzbezeichnung Homöopathie erwerben. Der 126. Deutsche Ärztetag strich sie am 26.05.2022 aus der (Muster-)Weiterbildungsordnung. Zuvor hatten 13 der 17 Landesärztekammern sie bereits aus ihren Weiterbildungsordnungen entfernt.[10]
Auch bei den gesetzlichen Krankenkassen hat sich die Lage geändert. Seit dem Inkrafttreten des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes am 30.07.2026 gehören homöopathische und anthroposophische Arzneimittel nicht mehr zum möglichen Leistungsumfang der Kassen. Als freiwillige Satzungsleistung dürfen Kassen homöopathische Mittel noch bis zum 31.12.2026 erstatten, ab dem 01.01.2027 ist das gesetzlich ausgeschlossen.[9] Einzelheiten stehen unter Zahlt die Krankenkasse Homöopathie? Was private Versicherer bei Heilpraktikern übernehmen, behandelt die Seite Brille, Heilpraktiker und Hilfsmittel.
- Gesetz § 4 Arzneimittelgesetz (AMG): Sonstige Begriffsbestimmungen, Absatz 26. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. European Academies' Science Advisory Council (EASAC). Stand 09/2017. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Tischner, Rudolf: Hahnemann, Samuel. Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 513 bis 514. Stand 1966. abgerufen am 29.10.2026
- Organon der Heilkunst, 4. Auflage (§§ 6, 8, 114 bis 134, 270, 278). Samuel Hahnemann, Arnoldische Buchhandlung, Dresden und Leipzig, digitalisiert bei Projekt Gutenberg. Stand 1829. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Wie werden Homöopathika hergestellt? (Cornelia Neth). PTAheute, Deutscher Apotheker Verlag. Stand 13.10.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz § 38 Arzneimittelgesetz (AMG): Registrierung homöopathischer Arzneimittel. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz § 10 Arzneimittelgesetz (AMG): Kennzeichnung, Absatz 4. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. The Lancet 366(9487), S. 726 bis 732. Stand 08/2005. abgerufen am 29.10.2026
- GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in Kraft: Was sich für Praxen ändert. Deutsches Ärzteblatt. Stand 30.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Keine Homöopathie mehr in der (Muster-)Weiterbildungsordnung. Bundesärztekammer. Stand 26.05.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Ein Therapeut als Kind seiner Zeit (Axel Helmstädter). Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 51/2007. Stand 17.12.2007. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Homöopathie: Was Globuli, Potenzen und das Ähnlichkeitsprinzip bedeuten. aponet.de, Gesundheitsportal der deutschen Apothekerinnen und Apotheker (Avoxa). Stand 29.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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