Homöopathische ArzneimittelRatgeber

Arnica, Belladonna und Co.: Herkunft und Studienlage

Zu den bekannten homöopathischen Einzelmitteln gehören Arnica montana (Arnika), Belladonna (Tollkirsche), Aconitum (Blauer Eisenhut), Pulsatilla (Wiesenküchenschelle), Apis mellifica (Honigbiene) und Silicea (Kieselsäure). Arnika gilt nach einer Übersicht von 1998 als das am häufigsten in placebokontrollierten Studien untersuchte Mittel, ein Vorteil gegenüber Placebo ließ sich in sorgfältigen Studien nicht zeigen. Für keine Erkrankung gibt es verlässliche Belege einer Wirkung der Homöopathie.

Sonnige Bergwiese mit vielen leuchtend gelben Arnikablüten im Vordergrund und grünen Hügeln dahinter
Bild: KI-generiert

Arnica, Belladonna, Pulsatilla: Manche homöopathischen Mittel kennen auch Menschen, die nie Globuli genommen haben. Hier geht es um die Herkunft solcher Mittel und um das, was Studien und Übersichtsarbeiten über sie herausgefunden haben. Wofür ein Mittel "gut sein soll", steht hier bewusst nicht. Diese Seite empfiehlt keine Mittel, keine Potenzen und keine Dosierungen.

Warum hier keine Anwendungsgebiete stehen

Die meisten homöopathischen Einzelmittel sind in Deutschland registriert und haben keine Zulassung. Für die Registrierung muss der Hersteller keine Angaben zu Wirkungen und Anwendungsgebieten machen [1]. Auf der Packung steht deshalb "Registriertes homöopathisches Arzneimittel, daher ohne Angabe einer therapeutischen Indikation" und der Hinweis, bei fortdauernden Krankheitszeichen medizinischen Rat einzuholen [2]. Ein Mittel mit konkretem Anwendungsgebiet braucht eine Zulassung [3]. Die Listen mit Beschwerden, die zu einzelnen Mitteln kursieren, stammen aus der homöopathischen Lehre. Der australische Forschungsrat NHMRC fand 2015 für keine Erkrankung verlässliche Belege, dass Homöopathie wirkt [17].

Arnica montana

Arnica montana ist die Arnika. Für homöopathische Mittel wird die Pflanze angebaut, geerntet, getrocknet und geprüft. Danach entsteht aus den zerkleinerten Pflanzenteilen mit Wasser und Alkohol in rund zehn Tagen eine Urtinktur [4]. Wild wachsende Arnika ist in Deutschland gefährdet. Sie steht in der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen in der Gefährdungskategorie 3 und ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Ihr Lebensraum, magere Wiesen, ist stark zurückgegangen. Ein vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördertes Projekt richtete 2023 im hessischen Vogelsbergkreis die ersten acht Genreservate für Arnika ein und will die Blüten als Arzneipflanze nachhaltig vermarkten [18].

Nahaufnahme einer einzelnen gelben Arnikablüte mit leicht zerzausten Blütenblättern im Gras
Bild: KI-generiert

Nach einer systematischen Übersicht von 1998 ist Arnika das homöopathische Mittel, das in placebokontrollierten Studien am häufigsten untersucht wurde. Die Autoren fanden acht solcher Studien, die meisten mit schweren methodischen Mängeln. Insgesamt sprachen sie nicht dafür, dass homöopathische Arnika besser wirkt als Placebo [5]. Eine Studie von 2003 mit 64 Erwachsenen vor und nach einer Handoperation fand bei Schmerzen und Blutergüssen am vierten Tag und bei der Schwellung keinen Unterschied zwischen Arnika und Placebo [6]. Drei Studien zu Knieoperationen fanden 2006 jeweils eine Tendenz zu weniger Schwellung unter Arnika. Einen statistisch gesicherten Unterschied gab es nur in einer der drei Studien, bei Kreuzbandoperationen mit 57 Patienten [7].

Belladonna

Belladonna wird aus der Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna) hergestellt, einem Nachtschattengewächs. Alle Teile der Pflanze sind giftig, besonders Blätter und Samen. Die Giftstoffe sind Tropan-Alkaloide, vor allem Hyoscyamin und Scopolamin [8]. Wer Pflanzenteile verschluckt, bekommt rasch Symptome wie gerötete Haut, trockene Schleimhäute, Unruhe, Verwirrtheit und Halluzinationen [8].

Tollkirschenpflanze mit glänzenden schwarzen Beeren und mattgrünen Blättern am Rand einer Waldlichtung
Bild: KI-generiert

Belladonna zeigt, warum die Herstellungsqualität bei giftigen Ausgangsstoffen zählt. In den USA wurden nach Angaben der Arzneimittelbehörde FDA bei homöopathischen Zahnungsprodukten für Säuglinge schwere unerwünschte Ereignisse gemeldet, darunter Todesfälle. Die Giftigkeit hing mit schwankenden Mengen Belladonna in den Produkten zusammen [9]. In Deutschland sind homöopathische Zubereitungen aus Stoffen, die der Verschreibungspflicht unterliegen, grundsätzlich nur dann von ihr ausgenommen, wenn die Endkonzentration im Fertigprodukt die vierte Dezimalpotenz nicht übersteigt [10].

Aconitum napellus

Aconitum napellus ist der Blaue Eisenhut. Die ganze Pflanze ist giftig, besonders die Wurzel, der Giftstoff heißt Aconitin. Schon im Mund kann die Pflanze brennen, kribbeln und taub machen. Nach dem Verschlucken drohen schwere Magen-Darm-Beschwerden, Sehstörungen und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen [11]. Mehr über giftige Pflanzen als Ausgangsstoff steht unter Pflanzliche Ausgangsstoffe homöopathischer Mittel.

Nux vomica

Nux vomica ist die Brechnuss, der Samen des indischen Baums Strychnos nux-vomica. Aus den Samen wird Strychnin gewonnen. Früher galt die Brechnuss als Stärkungsmittel, heute wird sie nur noch als Homöopathikum eingesetzt [19]. Niedrige Potenzen bis einschließlich D3 sind verschreibungspflichtig [19].

Pulsatilla und Calendula

Pulsatilla pratensis ist die Wiesenküchenschelle, Calendula officinalis die Ringelblume. Beide nennt das Apothekenportal aponet.de als Beispiele für pflanzliche Ausgangsstoffe homöopathischer Mittel [3]. Wie aus solchen Pflanzen eine Urtinktur und daraus eine Verdünnung wird, erklärt der Artikel Wie homöopathische Mittel hergestellt werden.

Apis mellifica und Cantharis

Nicht alle bekannten Mittel stammen aus Pflanzen. Apis mellifica wird aus der Honigbiene hergestellt, Cantharis aus der Spanischen Fliege [3]. Tierische Stoffe sind im Homöopathischen Arzneibuch eine kleine Gruppe: Die Pharmazeutische Zeitung zählte 2006 Monographien zu 18 Tieren oder tierischen Produkten, verglichen mit 273 frischen Pflanzen [12]. Mehr dazu steht unter Tierische Ausgangsstoffe und Nosoden.

Eine Honigbiene auf hellem Holz neben einem kleinen grünen Käfer, aus der Nähe fotografiert
Bild: KI-generiert

Silicea, Ferrum phosphoricum und Natrium muriaticum

Silicea ist Kieselsäure, Ferrum phosphoricum Eisenphosphat und Natrium muriaticum Kochsalz [3]. Sie gehören zu den mineralischen Ausgangsstoffen. Feste oder unlösliche Stoffe werden mit Milchzucker verrieben, lösliche meist zuerst als alkoholische Lösung angesetzt [4]. In hohen Potenzen ist rechnerisch kein Molekül des Ausgangsstoffs mehr enthalten [3]. Weitere Salze, Säuren und Metalle stellt der Artikel Mineralische Ausgangsstoffe vor.

Arsenicum album

Arsenicum album ist Arsen(III)-oxid, ein weißer Feststoff. Schon weniger als 0,1 Gramm können tödlich sein [13]. Anorganisches Arsen ist laut Weltgesundheitsorganisation hochgiftig und als krebserregend für den Menschen eingestuft [14]. Ein homöopathisches Mittel wird nicht registriert, wenn es mehr als einen Teil pro Zehntausend der Ursubstanz enthält oder verschreibungspflichtig ist [15].

Oscillococcinum

Oscillococcinum ist ein Fertigmittel. Laut einer Cochrane-Übersicht wird es aus einer einprozentigen Lösung eines Extrakts aus Herz und Leber der Wildente hergestellt, die dann 200-mal mit Wasser und Alkohol verdünnt wird [16]. Die Übersicht fand sechs Studien zu Vorbeugung und Behandlung der Grippe. Bei der Vorbeugung gab es keinen statistisch gesicherten Unterschied zu Placebo. Die vier Behandlungsstudien mit 1.196 Jugendlichen und Erwachsenen wurden als gering in der Qualität eingestuft. Nach 48 Stunden und nach drei Tagen berichteten in der Behandlungsgruppe etwas mehr Teilnehmende über eine Linderung, nach vier und fünf Tagen war kein Unterschied mehr messbar. Die Autoren halten die Belege für nicht ausreichend, um feste Schlüsse zu ziehen [16]. Alle drei Autoren arbeiten selbst in der Homöopathie-Forschung, was die Übersicht offenlegt [16].

Übersicht

MittelAusgangsstoffHerkunft
Arnica montanaArnikaPflanze
BelladonnaSchwarze TollkirscheGiftpflanze
Aconitum napellusBlauer EisenhutGiftpflanze
Nux vomicaBrechnuss (Samen)Giftpflanze
Pulsatilla pratensisWiesenküchenschellePflanze
Calendula officinalisRingelblumePflanze
Apis mellificaHonigbieneTier
CantharisSpanische FliegeTier
SiliceaKieselsäureMineral
Ferrum phosphoricumEisenphosphatMineral
Natrium muriaticumKochsalzMineral
Arsenicum albumArsen(III)-oxidgiftige Verbindung
OscillococcinumExtrakt aus Herz und Leber der WildenteTier

Was die großen Übersichten sagen

Die Studien zu Arnika und Oscillococcinum waren teils klein und methodisch schwach [5, 16]. Mehr Gewicht haben deshalb die großen Bewertungen. Der australische Forschungsrat NHMRC wertete 2015 insgesamt 57 systematische Übersichtsarbeiten mit 176 Einzelstudien aus. Für keine Erkrankung fand er verlässliche Belege, dass Homöopathie wirkt. Studien, die eine Überlegenheit gegenüber Placebo berichteten, waren von geringer Qualität [17]. Der Rat der europäischen Wissenschaftsakademien (EASAC) verweist 2017 zusätzlich auf Cochrane-Übersichten zu Asthma, Demenz, Geburtseinleitung, ADHS, Reizdarm und Grippe. Für keine dieser Anwendungen gab es ausreichende Belege [9]. Eine Auswertung von 110 Homöopathie-Studien, verglichen mit ebenso vielen Studien der konventionellen Medizin, ergab 2005, dass die klinischen Effekte der Homöopathie mit Placeboeffekten vereinbar sind [9].

Warum viele Menschen trotzdem gute Erfahrungen mit einem Mittel berichten, erklärt EASAC mit dem Placeboeffekt und mit weiteren Einflüssen: Viele Beschwerden klingen von selbst ab, und auf einen besonders schlechten Tag folgt oft ein besserer, was Statistiker Regression zur Mitte nennen [9]. Der Nutzen eines Placeboeffekts könne aber durch erhebliche Schäden aufgewogen werden, wenn eine wirksame Behandlung deshalb verzögert wird [9]. Der NHMRC rät, chronische, ernste oder möglicherweise ernste Erkrankungen nicht homöopathisch zu behandeln. Wer Homöopathie nutzt, soll das in der Praxis sagen und verordnete Behandlungen weiterführen [17]. Mehr dazu steht unter Der australische NHMRC-Bericht von 2015 und Der Placeboeffekt.

  1. Gesetz § 38 Arzneimittelgesetz (AMG): Registrierung homöopathischer Arzneimittel. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  2. Gesetz § 10 Arzneimittelgesetz (AMG): Kennzeichnung, Absatz 4. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Homöopathie: Was Globuli, Potenzen und das Ähnlichkeitsprinzip bedeuten (Rüdiger Freund). aponet.de, Avoxa Mediengruppe Deutscher Apotheker. Stand 29.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Wie werden Homöopathika hergestellt? (Cornelia Neth). PTAheute, Deutscher Apotheker Verlag. Stand 13.10.2022. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Ernst E, Pittler MH: Efficacy of homeopathic arnica: a systematic review of placebo-controlled clinical trials. Archives of Surgery 133(11), S. 1187 bis 1190. Stand 11/1998. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Stevinson C, Devaraj VS, Fountain-Barber A, Hawkins S, Ernst E: Homeopathic arnica for prevention of pain and bruising: randomized placebo-controlled trial in hand surgery. Journal of the Royal Society of Medicine 96(2), S. 60 bis 65. Stand 02/2003. abgerufen am 29.10.2026
  7. Studie Brinkhaus B, Wilkens JM, Lüdtke R, Hunger J, Witt CM, Willich SN: Homeopathic arnica therapy in patients receiving knee surgery: results of three randomised double-blind trials. Complementary Therapies in Medicine 14(4), S. 237 bis 246. Stand 12/2006. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde BfR-Giftgarten: Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna L.). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 26.03.2026. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. European Academies' Science Advisory Council (EASAC). Stand 09/2017. abgerufen am 29.10.2026
  10. Gesetz § 5 Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV). Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  11. Behörde BfR-Giftgarten: Blauer Eisenhut (Aconitum napellus L.). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 10.03.2026. abgerufen am 29.10.2026
  12. Studie HAB 2005 als Vorbild in Europa. Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 22/2006. Stand 30.05.2006. abgerufen am 29.10.2026
  13. Arsen(III)-oxid. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  14. Organisation Arsenic (Fact sheet). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 07.12.2022. abgerufen am 29.10.2026
  15. Gesetz § 39 Arzneimittelgesetz (AMG): Entscheidung über die Registrierung homöopathischer Arzneimittel, Absatz 2. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  16. Studie Mathie RT, Frye J, Fisher P: Homeopathic Oscillococcinum for preventing and treating influenza and influenza-like illness (Cochrane Review, CD001957). Cochrane Database of Systematic Reviews. Stand 01/2015. abgerufen am 29.10.2026
  17. Behörde NHMRC Statement: Statement on Homeopathy (NHMRC ref CAM02), abgerufen über das Internet-Archiv, Schnappschuss 26.09.2024. National Health and Medical Research Council (NHMRC), Australien. Stand 03/2015. abgerufen am 29.10.2026
  18. Behörde Arnica genetic reserves. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Informationssystem Genetische Ressourcen (genres.de). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  19. Organisation Nux vomica (Strychnos nux vomica, Brechnuss). apotheken.de, Deutscher Apotheker Verlag. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.