Homöopathie bei BeschwerdenRatgeber
Homöopathie bei Neurodermitis, Warzen und anderen Hautproblemen: die Studienlage
Kontrollierte Studien zeigen bei Ekzemen und Neurodermitis keinen Nutzen homöopathischer Mittel, eine Übersicht von 2012 fand nur drei methodisch schwache Studien. Bei Warzen heilten in einer großen Placebostudie unter Homöopathie nicht mehr Menschen ab als unter Scheinmitteln. Bei Neurodermitis gelten Basispflege und entzündungshemmende Cremes als Standard.

Juckende Ekzeme, Akne, Warzen oder Schuppen auf der Kopfhaut: Hautprobleme sind sichtbar, oft langwierig und kommen in Schüben. Viele suchen deshalb nach einer sanften Alternative zu Cremes mit Kortison. Diese Seite fasst zusammen, was kontrollierte Studien zur Homöopathie bei Hauterkrankungen zeigen und was als wirksame Behandlung gilt. Mittel, Potenzen und Dosierungen nennen wir nicht, weil keine belastbare Studie eine solche Empfehlung trägt.
Warum Hautbeschwerden schwer zu beurteilen sind
Viele Hauterkrankungen verlaufen in Wellen. Neurodermitis zum Beispiel ist eine chronische Krankheit, die sich nach Angaben des Gesundheitsportals des Bundesgesundheitsministeriums nicht vollständig heilen lässt, deren Beschwerden sich aber oft gut in den Griff bekommen lassen. Akute Schübe wechseln sich mit ruhigeren Phasen ab.[1] Wer im Schub mit einer Behandlung beginnt, erlebt die folgende Besserung leicht als Erfolg des Mittels, auch wenn der Schub ohnehin abgeklungen wäre.
Ähnlich ist es bei Warzen. In der weiter unten beschriebenen Warzenstudie heilte auch in der Placebogruppe ein Teil der Warzen ab. Ob ein Mittel mehr leistet als der natürliche Verlauf und die Erwartung, lässt sich nur mit einer Vergleichsgruppe klären, die ein Scheinmittel bekommt und nicht weiß, dass es eines ist. Warum auch Scheinmittel spürbar wirken können, erklärt die Seite Der Placeboeffekt.
Was Studien bei Ekzemen und Neurodermitis zeigen
Der britische Medizinprofessor Edzard Ernst hat 2012 im British Journal of Dermatology alle kontrollierten Studien zur Homöopathie bei Ekzemen ausgewertet, ohne Einschränkung auf Sprache oder Erscheinungsjahr. Gesucht hat er in den großen medizinischen Datenbanken und in Literaturlisten. Gefunden hat er nur drei Studien, die seine Kriterien erfüllten: eine randomisierte und zwei ohne zufällige Zuteilung der Teilnehmer.[2]

Alle drei Studien waren methodisch schwach, und keine zeigte eine Wirksamkeit der Homöopathie. Sein Fazit: Die Belege aus kontrollierten Studien zeigen nicht, dass Homöopathie Ekzeme wirksam behandelt.[2]
Auf größere Übersichten passt dieses Bild. Der Wissenschaftsrat der europäischen Akademien (EASAC) kam 2017 zu dem Schluss, dass es keine bekannte Krankheit gibt, bei der robuste und wiederholbare Belege für eine Wirkung der Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus vorliegen.[3] Die australische Gesundheitsbehörde NHMRC fand 2015 keine Erkrankung, für die es verlässliche Belege einer Wirksamkeit gibt.[4] Wie dieser Bericht entstanden ist, steht auf der Seite Der australische NHMRC-Bericht von 2015.
Warzen: eine Placebostudie mit klarem Ergebnis
Zu Warzen gibt es eine der größeren Homöopathiestudien aus der Hausarztmedizin. Kanadische Ärzte haben Ende der 1980er-Jahre 174 Menschen zwischen 6 und 59 Jahren mit Dornwarzen an der Fußsohle aufgenommen, 162 blieben bis zum Ende dabei. Die eine Gruppe bekam sechs Wochen lang eine Kombination aus drei homöopathischen Mitteln, die andere gleich aussehende und gleich schmeckende Scheinkügelchen. Beobachtet wurde 18 Wochen lang.[5]
| Zeitpunkt | abgeheilt unter Homöopathie | abgeheilt unter Placebo |
|---|---|---|
| nach 6 Wochen | 4,8 Prozent | 4,6 Prozent |
| nach 12 Wochen | 13,4 Prozent | 13,1 Prozent |
| nach 18 Wochen | 20,0 Prozent | 24,4 Prozent |
Als geheilt galt, wer keine einzige Warze mehr hatte. Die Autoren schreiben, die homöopathische Behandlung sei nicht wirksamer gewesen als das Placebo.[5] Die Zahlen zeigen auch, dass in beiden Gruppen nach gut vier Monaten ein Fünftel bis ein Viertel der Teilnehmenden warzenfrei war. Wer Warzen mit irgendeinem Mittel behandelt und sie verschwinden sieht, kann daraus also nicht ablesen, dass das Mittel gewirkt hat.
Akne, Schuppenflechte und andere Hautkrankheiten
Für Akne, Schuppenflechte, Nesselsucht oder Haarausfall ist eine Wirkung der Homöopathie nicht nachgewiesen. Die Übersichten von EASAC und NHMRC, die alle Anwendungsgebiete zusammen betrachten, kommen zu ihrem negativen Gesamturteil auch deshalb, weil es für keine einzelne Krankheit verlässliche positive Belege gibt.[3, 4]
In Ratgebern und Nachschlagewerken finden sich zu fast jeder Hautbeschwerde lange Listen mit Mitteln und Potenzen. Eine Placebostudie, die eine solche Zuordnung bestätigt, nennen sie in der Regel nicht. Woher die Zuordnungen stammen, erklärt die Seite Das Ähnlichkeitsprinzip.
Was bei Neurodermitis als belegt gilt
Die Grundlage der Behandlung ist die Basispflege. Rückfettende und feuchtigkeitsbindende Cremes schützen die Haut vor dem Austrocknen und sollten mindestens zweimal am Tag aufgetragen werden. Hilfreich ist auch, Reizstoffe zu meiden, zum Beispiel scharfe Seifen und Duschgele, kratzende Kleidung oder große Hitze und Kälte.[1]

Im Schub sind Cremes und Salben mit Kortison die übliche Wahl, weil sie Juckreiz und Entzündung lindern. Um Schüben vorzubeugen, kommt auch eine proaktive Behandlung in Frage: Dabei wird Kortison an zwei Tagen pro Woche zusätzlich zur Basispflege aufgetragen. Damit haben Menschen mit Neurodermitis nach Angaben des Gesundheitsportals deutlich seltener Schübe mit akuten Hautausschlägen. Vertragen Betroffene Kortison nicht oder hilft es nicht, kommen Cremes mit den Wirkstoffen Pimecrolimus oder Tacrolimus in Frage, die sich auch für empfindliche Stellen wie Gesicht und Hals eignen.[1]
Reicht das nicht, gibt es feuchte Umschläge, Lichttherapie und Medikamente, die das Immunsystem dämpfen. Einige beliebte Hausmittel haben Studien dagegen nicht bestätigt. Antihistaminika, Nachtkerzenöl, Borretschöl, Vitamine und Zink zeigten bei Neurodermitis keinen Nutzen.[1] Für Kinder mit Neurodermitis sind Impfungen sinnvoll, weil zum Beispiel Windpocken bei ihnen schwerer verlaufen können.[1]
Wann eine Hautveränderung ärztlich abgeklärt werden sollte
Bei Muttermalen und Pigmentflecken hilft die ABCDE-Regel, auffällige Veränderungen zu erkennen. Aufmerksam solltest du werden bei einem Mal mit unsymmetrischem Aufbau (A), unregelmäßiger Begrenzung (B), unterschiedlichen Farbtönen (C), einem Durchmesser über 5 Millimeter (D) oder wenn es sich verändert (E). Auch ein neu entstandenes Mal oder eines, das juckt oder blutet, gehört in die Hautarztpraxis.[6]

- Ein Hautausschlag kommt mit Fieber oder einem allgemeinen Krankheitsgefühl.[14]
- Die Haut rötet sich stark, nässt oder bildet gelbliche Krusten. Das kann auf eine bakterielle Infektion hindeuten.[13]
- Der Juckreiz belastet dich tags oder nachts so stark, dass er deinen Schlaf stört.[13]
- Ein Mal oder Fleck verändert sich, juckt oder blutet.[6]
- Die Beschwerden halten trotz Behandlung an, auch während du ein homöopathisches Mittel nimmst.
Den letzten Punkt schreibt sogar das Arzneimittelgesetz vor. Auf jeder Packung eines registrierten homöopathischen Arzneimittels muss der Hinweis stehen, bei fortdauernden Krankheitssymptomen medizinischen Rat einzuholen.[7] Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, in lebensbedrohlichen Fällen den Rettungsdienst unter 112.[8]
Wenn sich die Haut unter Globuli verschlechtert
In der Homöopathie gibt es den Begriff Erstverschlimmerung. Gemeint ist, dass Beschwerden nach Beginn einer Behandlung vorübergehend stärker werden. Eine Übersichtsarbeit zur Homöopathie bei Angststörungen fand als unerwünschte Wirkungen fast nur solche Reaktionen, etwa eine zeitweise Verschlechterung oder das Wiederauftreten alter Beschwerden.[12]
Bei Hautkrankheiten ist diese Deutung heikel. Ein Ekzem, das sich ausbreitet, nässt oder sich entzündet, kann auch einfach ein neuer Schub oder eine Infektion sein. Wer das als gutes Zeichen liest und abwartet, verliert Zeit. Eine Verschlechterung ist ein Grund, die Haut ansehen zu lassen. Was hinter dem Begriff steckt und wie er entstanden ist, erklärt die Seite Erstverschlimmerung: was dahintersteckt.
Was auf der Packung steht und was nicht
Homöopathische Arzneimittel können in Deutschland in ein eigenes Register eingetragen werden, statt eine Zulassung zu durchlaufen. Für die Registrierung muss der Hersteller weder Angaben zu Wirkungen und Anwendungsgebieten noch Unterlagen über klinische Prüfungen einreichen.[9] Deshalb steht auf der Packung: "Registriertes homöopathisches Arzneimittel, daher ohne Angabe einer therapeutischen Indikation".[7] Eine Packung, die "gegen Ekzeme" oder "bei Akne" verspricht, gibt es bei registrierten Mitteln also nicht.
Auch die Werbung ist begrenzt. Für registrierte homöopathische Arzneimittel darf nicht mit Anwendungsgebieten geworben werden. Allgemein verbietet das Heilmittelwerbegesetz Werbung, die einem Mittel eine Wirkung zuschreibt, die es nicht hat.[10, 11] Mehr dazu steht auf der Seite Was Werbung für Homöopathie darf.
Das größere Risiko bei Hautproblemen
Bei Hautproblemen liegt das größere Risiko darin, dass eine behandelbare Krankheit unbehandelt bleibt. Die EASAC warnt, dass Homöopathie erheblichen Schaden anrichten kann, wenn Betroffene deshalb später oder gar nicht zu einer wirksamen Behandlung finden.[3] Bei der Haut betrifft das vor allem auffällige Muttermale, die nach der ABCDE-Regel in die Hautarztpraxis gehören, und schwere Neurodermitis, deren Schübe Schlaf und Konzentration deutlich beeinträchtigen können.[1, 6] Wie solche Verzögerungen ablaufen, beschreibt die Seite Risiken: wenn wirksame Behandlung zu spät kommt.
- Behörde Neurodermitis: Symptome und Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 18.03.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Ernst E: Homeopathy for eczema: a systematic review of controlled clinical trials. British Journal of Dermatology 166(6):1170-1172. Stand 06/2012. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. European Academies' Science Advisory Council (EASAC). Stand 09/2017. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde NHMRC Statement: Statement on Homeopathy (NHMRC ref CAM02), abgerufen über das Internet-Archiv, Schnappschuss 26.09.2024. National Health and Medical Research Council (NHMRC), Australien. Stand 03/2015. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Labrecque M, Audet D, Latulippe LG, Drouin J: Homeopathic treatment of plantar warts. Canadian Medical Association Journal 146(10):1749-1753. Stand 05/1992. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Schwarzer Hautkrebs (Melanom). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 02.03.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Arzneimittelgesetz (AMG) § 10 Kennzeichnung, Absatz 4. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation 116117: Der ärztliche Bereitschaftsdienst. Kassenärztliche Bundesvereinigung. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Arzneimittelgesetz (AMG) § 38 Registrierung homöopathischer Arzneimittel. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Heilmittelwerbegesetz (HWG) § 5. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Heilmittelwerbegesetz (HWG) § 3. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Pilkington K, Kirkwood G, Rampes H, Fisher P, Richardson J: Homeopathy for anxiety and anxiety disorders: a systematic review of the research. Homeopathy 95(3):151-162. Stand 07/2006. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Neurodermitis bei Babys, Kleinkindern und Erwachsenen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.01.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Wundrose und Phlegmone. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 25.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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