Homöopathie bei BeschwerdenRatgeber
Homöopathie bei Blasenentzündung, Nieren- und Prostatabeschwerden
Für Homöopathie bei Blasenentzündung gibt es keine belastbaren Wirksamkeitsbelege. Eine Studie bei Menschen mit Querschnittlähmung umfasste 35 Patienten und hatte weder Zufallszuteilung noch Placebo. Wichtig sind die Warnzeichen: Fieber, Flankenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen können auf eine Nierenbeckenentzündung hindeuten und gehören rasch in ärztliche Hände.

Brennen beim Wasserlassen, ständiger Harndrang, nächtliche Gänge zur Toilette: Beschwerden an Blase und Prostata sind häufig und unangenehm, und viele Betroffene möchten nicht gleich ein Antibiotikum nehmen. Diese Seite zeigt, was über Homöopathie bei solchen Beschwerden bekannt ist, wie die Erkrankungen von selbst verlaufen und wann du nicht abwarten darfst. Wir empfehlen keine Mittel, Potenzen oder Dosierungen.
Blasenentzündung: wie sie verläuft
Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung entzündet sich die Schleimhaut der Harnblase. Meist steigen Bakterien über die Harnröhre in die Blase auf und vermehren sich dort.[1] Frauen sind viel häufiger betroffen als Männer, weil ihre Harnröhre kürzer ist. Etwa 10 von 100 Frauen bekommen mindestens einmal im Jahr eine Blasenentzündung, die Hälfte von ihnen innerhalb eines Jahres eine weitere.[1]

Typisch sind häufiger Harndrang und Brennen oder Stechen beim Wasserlassen. Der Urin kann trüb sein und auffällig riechen, manchmal ist Blut zu sehen.[1] Eine unkomplizierte Blasenentzündung heilt meist ohne Probleme ab. Nach Angaben des IQWiG heilt sie bei 30 bis 50 von 100 Frauen auch ohne Antibiotikum innerhalb einer Woche, in der Regel ohne Komplikationen.[1]
Die Schmerzen können in den ganzen Unterleib oder in den Rücken ausstrahlen. Bei vielen Frauen nehmen sie zu, wenn die Blase fast oder ganz leer ist. Eine starke Entzündung kann dazu führen, dass man sich insgesamt krank und abgeschlagen fühlt und schlecht schläft.[1] Manchmal finden sich bei einem Urintest Bakterien, ohne dass Beschwerden bestehen. Diese sogenannte asymptomatische Bakteriurie ist in der Regel harmlos.[1]
Dieser natürliche Verlauf ist wichtig, wenn du Erfahrungsberichte liest. Wer Globuli nimmt und nach einigen Tagen beschwerdefrei ist, gehört womöglich einfach zu den Frauen, bei denen die Entzündung von selbst ausgeheilt wäre. Ob ein Mittel mehr leistet, lässt sich nur mit einer Vergleichsgruppe klären.
Was über Homöopathie bei Harnwegsinfekten bekannt ist
Eine Untersuchung aus einem Schweizer Rehabilitationszentrum erschien 2019. Sie umfasste Menschen mit Querschnittlähmung, deren Blasenfunktion gestört ist und die mindestens drei Harnwegsinfekte im Jahr hatten.[2] Zehn Patienten bekamen nur die übliche Vorbeugung, 25 zusätzlich eine klassische homöopathische Behandlung. In der Homöopathiegruppe sank die Zahl der Infekte, die die Patienten selbst angaben, in der Vergleichsgruppe nicht. Die allgemeine Lebensqualität änderte sich nicht.[2]
Die Studie hat Grenzen, die ihre Aussagekraft stark einschränken. Es war eine prospektive Studie ohne Placebogruppe und ohne Verblindung der Behandlung. Die Zuteilung zu den Gruppen sollte zunächst zufällig erfolgen, wurde aber aufgegeben, weil die meisten Interessenten nicht in die Kontrollgruppe gelost werden wollten. Die Gruppen waren sehr klein und ungleich groß, die Vergleichsgruppe hatte zu Beginn deutlich weniger Infekte, und die Infekte meldeten die Patienten selbst.[2] Ohne Placebogruppe lässt sich der Einfluss von Erwartung und Zuwendung nicht von dem des Mittels trennen.
Dieselbe Arbeitsgruppe prüfte 2018 im Labor, ob homöopathische Mittel in der Potenz C30 Kolibakterien aus dem Urin dieser Patienten hemmen. Bei keinem der sieben geprüften Mittel zeigte sich eine Wirkung auf die Bakterien.[3] Antibiotika wirken dagegen direkt auf die Erreger.
Für die Homöopathie insgesamt gilt die Einschätzung des Verbunds der europäischen Wissenschaftsakademien (EASAC) von 2017: Für keine bekannte Krankheit gibt es robuste, wiederholbare Belege für eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus.[4] Wie Studien zur Homöopathie bewertet werden, erklärt die Seite Was Studien zur Homöopathie zeigen.
Warnzeichen: wenn die Niere beteiligt ist
Steigen die Bakterien über die Harnleiter bis in die Nieren auf, kann eine Nierenbeckenentzündung entstehen. Sie ist selten, kann aber gefährlich sein und sollte rasch behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden.[1] Das IQWiG rät, rasch eine Arztpraxis oder Klinik aufzusuchen, wenn zu den Blasenbeschwerden diese Symptome kommen:[1]

- Schmerzen in der Nierengegend (Flankenschmerzen)
- Fieber
- Übelkeit und Erbrechen
Als kompliziert gilt eine Blasenentzündung auch dann, wenn ein erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht. Das betrifft Männer, Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem, mit bereits geschädigten Nieren oder mit Besonderheiten der Harnwege.[1] Schwangere bekommen häufiger Blasenentzündungen, ebenso Menschen mit Blasenkatheter, Diabetes oder Multipler Sklerose.[1] Bei komplizierten Blasenentzündungen sind Antibiotika nach Angaben des IQWiG unverzichtbar.[1] Schwangere mit Blasenentzündung erhalten nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit so gut wie immer ein Antibiotikum. So soll verhindert werden, dass die Bakterien Mutter oder Kind schaden oder dass aus der Blasenentzündung eine Nierenbeckenentzündung wird.[6]
Wiederkehrende Blasenentzündungen
Wer immer wieder Blasenentzündungen bekommt, sucht oft nach einer dauerhaften Lösung. Ein Patentrezept, das Blasenentzündungen zuverlässig verhindert, gibt es nach Angaben des IQWiG nicht, und viele verbreitete Tipps zur Vorbeugung sind wissenschaftlich nicht untersucht.[1] Bekannte Risikofaktoren sind Geschlechtsverkehr, weil dabei Bakterien in die Harnröhre gelangen können, sowie spermienabtötende Verhütungscremes und Diaphragmen. Ab den Wechseljahren werden Blasenentzündungen häufiger.[1]
Frauen können im Alltag darauf achten, welche Auslöser bei ihnen typisch sind. Lassen sich diese nicht abstellen, gibt es Medikamente zur Vorbeugung, die regelmäßig genommen werden müssen und Nebenwirkungen haben.[1] Bei schweren, immer wiederkehrenden Entzündungen kann eine Ultraschalluntersuchung von Nieren und Blase sinnvoll sein, sehr selten auch eine Blasenspiegelung.[1] Gerade bei häufigen Entzündungen lohnt sich eine gründliche Abklärung, bevor du dich auf ein Mittel ohne Wirksamkeitsnachweis verlässt.
Prostatabeschwerden im Alter
Häufiger Harndrang, nächtliche Toilettengänge und das Gefühl, dass die Blase nie ganz leer wird, sind typische Zeichen einer gutartig vergrößerten Prostata. Die Beschwerden beginnen meist nach dem 50. Lebensjahr und werden mit dem Alter häufiger.[5] Der Harnstrahl wird schwächer, und nach dem Wasserlassen tropft Urin nach. Die Vergrößerung ist meist harmlos, kann aber den Schlaf und den Alltag stark stören.[5] Fachleute sprechen vom benignen Prostatasyndrom (BPS). Die Größe der Prostata und die Stärke der Beschwerden hängen nicht immer zusammen: Manche Männer mit stark vergrößerter Prostata haben kaum Beschwerden, andere schon bei einer leichten Vergrößerung.[5]

Behandeln lässt sie sich je nach Belastung unterschiedlich. Bei leichten Beschwerden ohne Komplikationen reicht es bei etwa 30 von 100 Männern, die ärztlichen Rat suchen, den Alltag umzustellen und sich etwa einmal im Jahr untersuchen zu lassen.[5] Daneben gibt es Medikamente und Operationen. Gründe für eine Operation können ein Harnverhalt, wiederholte Infektionen oder starke Beschwerden sein, die sich anders nicht lindern lassen.[5] Über rezeptfreie pflanzliche Mittel schreibt das IQWiG, dass die meisten nicht gut erforscht sind und andere keinen Einfluss auf die Beschwerden gezeigt haben. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt sie deshalb nicht regelhaft.[5] Für homöopathische Mittel bei Prostatabeschwerden gilt die allgemeine Einschätzung der EASAC.[4] Eine systematische Übersicht von 2020, deren Autoren überwiegend aus der Homöopathieforschung kommen, fand zu urologischen Erkrankungen vier kontrollierte Studien und 14 Beobachtungsstudien, vor allem zur gutartigen Prostatavergrößerung und zu Nierensteinen. Die randomisierten Studien waren nach ihrer Bewertung wenige, zu klein, uneinheitlich und wegen hohen oder unklaren Verzerrungsrisikos wenig verlässlich, sodass sich zur Wirksamkeit keine Schlussfolgerung ziehen ließ.[7]
Eher selten kann ein Mann wegen der vergrößerten Prostata plötzlich kaum oder gar kein Wasser mehr lassen. Zu einem solchen Harnverhalt kommt es innerhalb von fünf Jahren bei etwa 1 bis 3 von 100 Männern mit gutartiger Prostatavergrößerung. Ein Harnverhalt ist ein Notfall, bei dem zunächst ein Katheter die Blase entlastet.[5]
Prostata und Krebs auseinanderhalten
"Gutartig" bedeutet bei der Prostatavergrößerung, dass es sich nicht um Prostatakrebs handelt.[5] Die Beschwerden beim Wasserlassen allein verraten aber nicht, was dahintersteckt. Deshalb gehört eine Abklärung in die Arztpraxis, bevor du eine Behandlung auswählst. Bei der Untersuchung wird häufig der PSA-Wert im Blut bestimmt. Ein erhöhter Wert kann auf Krebs hindeuten, hat aber oft andere Gründe, auch eine gutartig vergrößerte Prostata.[5]
Was Homöopathie bei Krebserkrankungen leisten kann und was nicht, beschreibt die Seite Homöopathie bei Krebs und anderen ernsten Erkrankungen.
Was bei Blasenentzündung belegt hilft
Antibiotika helfen bei akuten Blasenentzündungen normalerweise schnell und verkürzen die Krankheitsdauer, sind bei unkomplizierten Fällen aber nicht immer nötig.[1] Bei leichten oder mittelstarken Beschwerden können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol eine Alternative sein, bis der Körper die Bakterien selbst bekämpft hat. Viel trinken und Wärme werden als Hausmittel genannt.[1] Frauen mit häufig wiederkehrenden Entzündungen können mit ärztlicher Begleitung auch vorbeugend Medikamente nehmen, die allerdings Nebenwirkungen haben.[1]
Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis, alternativ eine gynäkologische oder urologische Praxis. Oft reicht ein Urintest mit Teststreifen.[1] Wer sich trotz der Studienlage für Globuli entscheidet, findet die Grenzen der Selbstbehandlung auf der Seite Selbstbehandlung mit Homöopathie: Grenzen und Risiken. Warum ein ausbleibender Behandlungserfolg gefährlich werden kann, steht unter Risiken: wenn wirksame Behandlung zu spät kommt.
- Organisation Akute Blasenentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.02.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Pannek J, Pannek-Rademacher S, Jus MS, Wöllner J, Krebs J: Usefulness of classical homeopathy for the prophylaxis of recurrent urinary tract infections in individuals with chronic neurogenic lower urinary tract dysfunction. Journal of Spinal Cord Medicine 42(4). Stand 07/2019. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Pannek J, Kurmann C, Imbach E, Amsler F, Pannek-Rademacher S: In Vitro Effects of Homeopathic Drugs on Cultured Escherichia coli. Homeopathy 107(2). Stand 05/2018. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. European Academies' Science Advisory Council (EASAC). Stand 09/2017. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Gutartige Prostatavergrößerung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 28.06.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Krankheiten und Infektionen in der Schwangerschaft: Blasenentzündung. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de. Stand 05.05.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Nayak C, Manchanda R, Khurana A et al.: Clinical trials of homeopathy in urological disorders: a systematic review. Journal of Complementary and Integrative Medicine 18(1). Stand 07/2020. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
BeschwerdenHomöopathie bei Angst, Unruhe, Depression und SchlafproblemenWas Studien zu Homöopathie bei Angst, Depression und Schlafstörungen zeigen, welche Behandlungen belegt sind und wo du in …
BeschwerdenHomöopathie bei Zyklusbeschwerden, in Schwangerschaft und WechseljahrenWas Studien zu Homöopathie bei Regelschmerzen, in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren zeigen, was belegt hilft und …
BeschwerdenHomöopathie bei KindernWas Studien zu Globuli bei Kindern zeigen, etwa bei Infekten und ADHS, woran Eltern ein ernstes Fieber erkennen und was auf …
MittelArnica, Belladonna und Co.Arnica, Belladonna, Aconitum, Pulsatilla, Silicea und Nux vomica: woraus bekannte homöopathische Mittel hergestellt werden …