Grundlagen der HomöopathieRatgeber
Globuli: was in den Kügelchen steckt
Globuli sind kleine Kügelchen aus Saccharose, also Haushaltszucker. Bei der Herstellung wird eine homöopathisch verdünnte Lösung auf die Kügelchen aufgebracht und getrocknet. In hohen Verdünnungen ist vom Ausgangsstoff nichts mehr enthalten, und eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus ist nicht belegt.

Globuli sind die bekannteste Darreichungsform der Homöopathie. Die kleinen weißen Kügelchen werden in Röhrchen verkauft. Hier erfährst du, woraus sie bestehen, wie sie hergestellt werden, wie viel vom Ausgangsstoff in ihnen steckt, wer sie bezahlt und was die Forschung über sie weiß.
Woraus Globuli bestehen
Globuli bestehen überwiegend aus Saccharose, also Haushaltszucker. Sie enthalten keinen Alkohol und keinen Milchzucker [1]. Etwa 120 Kügelchen wiegen zusammen knapp ein Gramm [1]. Der Name kommt vom lateinischen Wort für Kügelchen, in Apotheken heißen sie auch Streukügelchen.
Dass nur Saccharose verwendet wird, ist eine deutsche Besonderheit. Das Homöopathische Arzneibuch (HAB) erlaubt für die Kügelchen nur Saccharose, während die europäische Arzneibuch-Monographie "Pillule" auch Milchzucker und andere Stoffe zulässt [2].
Wie Globuli hergestellt werden
Am Anfang steht ein Ausgangsstoff, etwa eine Pflanze, ein Mineral oder ein tierisches Produkt. Daraus wird eine Urtinktur oder Lösung hergestellt und anschließend in Stufen verdünnt und verschüttelt. Bei den D-Potenzen wird in jedem Schritt 1 Teil mit 9 Teilen Lösungsmittel gemischt, bei den C-Potenzen 1 Teil mit 99 Teilen [3]. Für eine D6 wird dieser Schritt sechsmal wiederholt, jedes Mal mit kräftigem Schütteln [3]. Was die Buchstaben und Zahlen bedeuten, erklärt der Artikel über Potenzen.

Die fertige Verdünnung wird dann auf die Zuckerkügelchen gebracht. Die Hersteller verteilen sie in großen Kesseln gleichmäßig über die Globuli und trocknen diese anschließend [3]. Die Kügelchen selbst werden also nicht verdünnt, sie dienen als Träger für die Flüssigkeit. Der gesamte Ablauf richtet sich nach dem Homöopathischen Arzneibuch [3]. Das HAB ist nach dem Arzneimittelgesetz ein amtliches Arzneibuch und enthält Dutzende genau beschriebene Herstellungsvorschriften [2]. Mehr zu den einzelnen Schritten steht unter Wie homöopathische Mittel hergestellt werden.
Globuli, Tropfen und Tabletten
Globuli sind nur eine von mehreren Darreichungsformen. Dieselben Verdünnungen gibt es auch als Tropfen, als Verreibung mit Milchzucker oder als Tablette. Tropfen enthalten in der Regel Alkohol, weil die Verdünnungen mit einer Mischung aus Alkohol und Wasser hergestellt werden; für eine D6 nennt PTAheute als Beispiel 40-prozentigen Alkohol [3]. Globuli haben den Vorteil, dass sie ohne Alkohol und ohne Milchzucker auskommen [1].
An der Studienlage ändert die Form nichts.
Das Homöopathische Arzneibuch
Ein frühes Arzneibuch gab Willmar Schwabe 1872 heraus, die erste amtliche Fassung erschien 1978 als HAB 1 [2]. Seit dem HAB 2000 erscheint es als Loseblattsammlung mit jährlichen Ergänzungen [2].
Die Pharmazeutische Zeitung zählte 2006 im HAB Monographien zu 273 frischen Pflanzen, 129 getrockneten Pflanzenteilen, 18 tierischen Stoffen und 165 Mineralien und chemischen Verbindungen. Dazu kamen 53 Hilfs- und Trägerstoffe und 58 Herstellungsvorschriften [2]. Auf europäischer Ebene entstehen eigene Monographien im Europäischen Arzneibuch. Wo dieses einen Ausgangsstoff bereits beschreibt, verweist das HAB darauf und ergänzt nur die Herstellung der Darreichungsform [2].
Das Arzneibuch regelt Qualität und Herstellung. Ob ein Mittel bei einer Krankheit hilft, prüft es nicht.
Wie viel vom Ausgangsstoff in einem Kügelchen steckt
Jede Verdünnungsstufe senkt den Anteil des Ausgangsstoffs. Bei einer D6 bleibt ein Millionstel der Urtinktur übrig, bei einer C6 ein Billionstel. Eine D12 enthält noch ein Billionstel, eine C12 einen Teil auf eine Quadrillion, also eine Eins mit 24 Nullen. Potenzen wie C30 oder C200 liegen weit darüber. Davon gelangt nur ein Teil auf die einzelnen Kügelchen.

Viele homöopathische Mittel sind so oft verdünnt, dass vom Ausgangsstoff nichts mehr vorhanden ist [4]. Einige Homöopathen erklären eine Wirkung damit, dass das Wasser durch das Verschütteln einen Abdruck des Stoffs speichere. Die europäischen Akademien der Wissenschaften (EASAC) halten diese Annahme nach dem Stand der Forschung zur Struktur von Wasser für widerlegt: Gelöste Stoffe beeinflussen Wasser nur auf kürzeste Entfernung und für kürzeste Zeit [4]. Warum das so ist, erklärt der Artikel Verdünnung, Avogadro-Zahl und Wassergedächtnis.
Für die Registrierung setzt das Arzneimittelgesetz eine Grenze: Enthält ein Mittel mehr als einen Teil pro Zehntausend der Ursubstanz, wird es nicht registriert [5]. Das entspricht ungefähr einer D4, der vierten Zehnerstufe.
Globuli im Arzneimittelrecht
Globuli sind in Deutschland Arzneimittel. Homöopathische Fertigarzneimittel können statt einer Zulassung eine Registrierung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erhalten [6]. Dafür muss ein Hersteller weder Wirkungen noch Anwendungsgebiete nachweisen [6]. Wer von einem Mittel höchstens 1.000 Packungen im Jahr in Verkehr bringt, braucht unter bestimmten Bedingungen nicht einmal eine Registrierung [6]. Hergestellt werden muss das Mittel nach einem Verfahren aus dem homöopathischen Teil des Arzneibuchs [5].
Auf der Packung eines registrierten Mittels steht deshalb der Satz "Registriertes homöopathisches Arzneimittel, daher ohne Angabe einer therapeutischen Indikation". Dazu kommt der Hinweis, bei anhaltenden Krankheitszeichen medizinischen Rat einzuholen [7]. Verkauft werden Globuli in der Regel in Apotheken. Zucker und Alkohol dürfen im Supermarkt stehen, homöopathische Globuli und Tinkturen nicht; die Bundesapothekerkammer begründet das mit der Sicherheit der Patienten [8]. Die Einzelheiten erklärt der Artikel Homöopathische Mittel im Arzneimittelrecht.
Wie viel Zucker du mit Globuli aufnimmst
Weil etwa 120 Kügelchen knapp ein Gramm wiegen [1], ist die Zuckermenge sehr klein. Zehn Globuli wiegen zusammen weniger als ein Zehntelgramm. Wer wegen Diabetes oder einer Unverträglichkeit Fragen zum Trägerstoff hat, kann in der Apotheke nach der Zusammensetzung fragen.
Wer Globuli bezahlt
Globuli kaufst du in der Regel in der Apotheke und bezahlst sie selbst. Seit dem 30.07.2026 können homöopathische und anthroposophische Arzneimittel nicht mehr zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden [9]. Im Sozialgesetzbuch steht das in § 31 Abs. 1 SGB V: Versicherte haben Anspruch auf apothekenpflichtige Arzneimittel, soweit es sich nicht um homöopathische oder anthroposophische Arzneimittel handelt [10]. Ein Kassenrezept für Globuli gibt es damit auch für Kinder nicht mehr.

Einzelne Krankenkassen haben homöopathische Mittel bisher als freiwillige Satzungsleistung erstattet. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt ist eine solche Kostenübernahme ab dem 01.01.2027 nicht mehr möglich [9]. Wie es bis dahin aussieht und was für privat Versicherte gilt, steht unter Zahlt die Krankenkasse Homöopathie?
Was Studien über Globuli zeigen
Ob ein homöopathisches Mittel als Kügelchen, Tropfen oder Tablette eingenommen wird, ändert an der Studienlage nichts. Der australische Forschungsrat NHMRC wertete 2015 insgesamt 57 systematische Übersichtsarbeiten zu 68 Erkrankungen aus und fand für keine Erkrankung verlässliche Belege einer Wirkung [4]. EASAC schloss sich dem 2017 an: Für keine bekannte Krankheit gebe es robuste, wiederholbare Belege einer Wirkung über den Placeboeffekt hinaus [4].
Was auf der Packung steht
Auf einem Röhrchen Globuli findest du meist den lateinischen Namen des Ausgangsstoffs und eine Angabe wie D12 oder C30. Der Buchstabe nennt das Mischverhältnis je Stufe, die Zahl die Anzahl der Verdünnungsschritte [3]. Dazu kommen die Registriernummer und der Satz, dass das Mittel ohne Angabe einer therapeutischen Indikation registriert ist [7].
EASAC empfiehlt außerdem, homöopathische Mittel wie andere Gesundheitsprodukte zu kennzeichnen, also mit einer genauen und verständlichen Angabe der enthaltenen Stoffe und ihrer Mengen [4].
Globuli für Tiere
Globuli werden auch für Haustiere und in der Landwirtschaft angeboten. EASAC kommt für die Tiermedizin zum selben Ergebnis wie beim Menschen: Es gibt keine belastbaren Belege für den Einsatz der Homöopathie. Besonders bedenklich sei es, wenn Nutztiere mit Infektionen homöopathisch statt mit wirksamen Arzneimitteln behandelt werden [4]. Mehr dazu steht unter Homöopathie bei Tieren.
Worauf du achten solltest
Globuli bestehen überwiegend aus Zucker. EASAC weist darauf hin, dass homöopathische Behandlung schaden kann, wenn sie eine wirksame Behandlung verzögert [4]. Auch Herstellungsmängel können schaden: Bei homöopathischen Zahnungsprodukten in den USA wurden schwere unerwünschte Ereignisse gemeldet, die mit schwankenden Mengen des Ausgangsstoffs Belladonna zusammenhingen [4]. Das betrifft vor allem Fieber, Infektionen und Beschwerden, die nicht besser werden.
Gib Globuli nicht anstelle eines Arztbesuchs, wenn ein Kind krank ist, und setze verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab. Wenn du Globuli nimmst, sag das in der Arztpraxis. Wo die Grenzen der Selbstbehandlung liegen, erklärt der Artikel Selbstbehandlung mit Homöopathie.
- Organisation Globuli. apotheken.de, Deutscher Apotheker Verlag. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie HAB 2005 als Vorbild in Europa. Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 22/2006. Stand 30.05.2006. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Wie werden Homöopathika hergestellt? (Cornelia Neth). PTAheute, Deutscher Apotheker Verlag. Stand 13.10.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. European Academies' Science Advisory Council (EASAC). Stand September 2017. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz § 39 Arzneimittelgesetz (AMG): Entscheidung über die Registrierung homöopathischer Arzneimittel. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz § 38 Arzneimittelgesetz (AMG): Registrierung homöopathischer Arzneimittel. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz § 10 Arzneimittelgesetz (AMG): Kennzeichnung, Absatz 4. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
- Globulisierte Gesetze: Wer von den Sonderregeln für Homöopathie profitiert (Christian Weymayr). Der Tagesspiegel. Stand 18.02.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am 30. Juli 2026 in Kraft getreten: Änderungen, die sofort umzusetzen sind (Infoletter). Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt. Stand 31.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz § 31 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V): Arznei- und Verbandmittel, Absatz 1. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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