Begriffe der Homöopathie

Das Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe der Homöopathie in wenigen Sätzen, von Simile und Organon über Urtinktur, Potenz und Nosode bis zu Registrierung und Satzungsleistung. Zu den meisten Begriffen führt ein Link auf die Seite mit den Einzelheiten.

Holztisch mit geschlossenem Lederband, kleinem Messingmörser, getrockneten Blüten in einer Schale und einer Lesebrille
Bild: KI-generiert

Wer über Homöopathie liest, stößt auf Wörter, die sonst kaum vorkommen: Simile, Urtinktur, Q-Potenz oder Repertorium. Hier stehen die wichtigsten mit einer kurzen Erklärung, sortiert nach Themen. Die Erklärungen beschreiben, was die Begriffe in der Homöopathie bedeuten. Ob die dahinterstehenden Annahmen zutreffen, ist eine andere Frage; die Antwort der Forschung steht im Bereich Was die Wissenschaft sagt.

Lehre und Behandlung

Diese Begriffe stammen größtenteils von Samuel Hahnemann, der die Homöopathie Ende des 18. Jahrhunderts begründete.

Ähnlichkeitsprinzip (Simile)

Der Grundsatz der Homöopathie: "Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden". Ein Stoff, der bei Gesunden bestimmte Beschwerden auslöst, soll homöopathisch zubereitet gegen ähnliche Beschwerden helfen. [1] Hahnemann beschrieb das Prinzip 1796. [2] Simile heißt das Mittel, das nach dieser Regel zu den Beschwerden passen soll. Mehr unter Das Ähnlichkeitsprinzip.

Anamnese

Das ausführliche Erstgespräch, in dem die Behandlerin oder der Behandler neben den Beschwerden auch Stimmung, Schlaf und Lebensumstände erfragt. Ablauf und Dauer beschreibt Die homöopathische Anamnese.

Arzneimittelprüfung

In der Homöopathie der Versuch, bei dem Gesunde einen Stoff einnehmen und notieren, welche Veränderungen sie an sich beobachten. Aus diesen Beobachtungen leitet die Lehre ab, wofür ein Mittel passen soll.

Erstverschlimmerung

Eine kurze Verstärkung der Beschwerden nach der Einnahme. Hahnemann beschrieb sie im Organon als kleine Verschlimmerung in der ersten Stunde oder den ersten Stunden und deutete sie als gutes Zeichen. [3] Was Studien dazu fanden, steht unter Erstverschlimmerung. Geht es dir schlechter, lass das ärztlich abklären.

Konstitutionsmittel

Ein Mittel, das in der klassischen Homöopathie nach Körperbau, Charakter und Gemüt eines Menschen ausgewählt wird und ihn lange begleiten soll. Mehr unter Was mit Konstitutionsmitteln gemeint ist.

Organon

Hahnemanns Hauptwerk. Es erschien 1810 zuerst als "Organon der rationellen Heilkunst" [2] und wurde danach mehrfach überarbeitet. Die sechste Auflage erschien erst 1921 im Druck, herausgegeben von Hahnemanns Biografen Richard Haehl. [4] Leben und Werk beschreibt Samuel Hahnemann.

Repertorium

Ein Nachschlagewerk, das Symptome nach Gruppen ordnet und zu jedem die Mittel nennt, mit denen es in Verbindung gebracht wird, oft mit einer Gewichtung von 1 bis 4. Neben gedruckten Repertorien gibt es heute Software mit Suchfunktion. [5] Das Nachschlagen heißt Repertorisation.

Herstellung und Arzneiformen

Hier geht es darum, wie aus einem Ausgangsstoff ein homöopathisches Mittel wird.

Kleine braune Glasfläschchen, ein Becherglas und eine Porzellanschale mit weißen Kügelchen auf einem hellen Arbeitstisch
Bild: KI-generiert

Globuli

Kleine Kügelchen aus Saccharose, also Haushaltszucker. Die verdünnte Lösung wird in großen Gefäßen auf die Kügelchen aufgebracht, gleichmäßig verteilt und getrocknet. In Deutschland sind Globuli die häufigste homöopathische Arzneiform. [6] Mehr unter Globuli: was in den Kügelchen steckt.

Homöopathisches Arzneibuch (HAB)

Das amtliche Regelwerk, nach dem homöopathische Mittel in Deutschland hergestellt werden. [6] Das Arzneimittelgesetz nennt als homöopathisches Arzneimittel jedes Mittel, das nach einem homöopathischen Zubereitungsverfahren aus dem Europäischen Arzneibuch oder einem offiziellen Arzneibuch eines EU-Staats hergestellt wurde. [7]

Nosode

Ein homöopathisch zubereitetes Mittel aus einem Produkt einer Infektionskrankheit, gewonnen direkt aus Bakterien oder Viren oder aus Gewebe, das sie enthalten soll. Nosoden werden meist in Schritten von 1 zu 100 verdünnt. Die Kanadische Gesellschaft für Kinderheilkunde stellt klar, dass sie keine sichere und wirksame Alternative zur Impfung sind. [8] Mehr unter Tierische Ausgangsstoffe und Nosoden.

Potenz

Gibt an, wie oft und in welchem Verhältnis ein Mittel verdünnt und verschüttelt wurde. Bei einer D-Potenz wird jeder Schritt im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt, bei einer C-Potenz im Verhältnis 1 zu 100. Die Zahl nennt die Anzahl der Schritte, D6 steht also für sechs Schritte zu je 1 zu 10. [1, 6] Das Herstellen der Stufen nennen Homöopathen Potenzieren. Mehr unter Potenzen: D, C, Q und LM erklärt.

Q-Potenz und LM-Potenz

Zwei Namen für dieselbe Reihe, die 50-Tausendstel-Potenzen, die Hahnemann in der sechsten Auflage des Organon beschrieb. Q steht für lateinisch quinquaginta milia, also 50.000. Das Homöopathische Arzneibuch erlaubt beide Bezeichnungen. [4]

Urtinktur

Der Auszug, aus dem die Verdünnungen entstehen. Für Arnika etwa werden getrocknete Pflanzenteile zerkleinert, mit Wasser und Alkohol angesetzt, nach rund zehn Tagen abgepresst und gefiltert. [6] Mehr unter Wie homöopathische Mittel hergestellt werden.

Verreibung

Feste oder unlösliche Ausgangsstoffe wie viele Mineralien werden statt zu einem alkoholischen Auszug mit Milchzucker verrieben. [6]

Forschung und Recht

Diese Begriffe tauchen auf, wenn es um Studien, Zulassung und Kosten geht.

Placeboeffekt

Eine Besserung, die durch die Behandlung selbst entsteht, etwa durch Erwartung und Zuwendung, nicht durch einen Wirkstoff. Der Rat der europäischen Wissenschaftsakademien führt die Wirkung, die Patienten nach Homöopathie wahrnehmen, auf den Placeboeffekt zurück. [9] Mehr unter Der Placeboeffekt.

Regression zur Mitte

Die Neigung von Beschwerden, die von selbst schwanken, sich nach einem Tiefpunkt wieder zu bessern. Wer an einem schlechten Tag ein Mittel nimmt, schreibt die folgende Besserung leicht dem Mittel zu. Der EASAC nennt sie neben Placeboeffekt und natürlichem Krankheitsverlauf als Grund, warum Homöopathie als hilfreich erlebt wird. [9]

Registrierung

Der Weg, auf dem die meisten homöopathischen Mittel in Deutschland auf den Markt kommen. Ein registriertes Mittel darf höchstens einen Teil pro Zehntausend der Ursubstanz enthalten und trägt kein Anwendungsgebiet. [1, 10] Mehr unter Homöopathische Mittel im Arzneimittelrecht.

Satzungsleistung

Eine freiwillige Leistung, die eine gesetzliche Krankenkasse in ihrer Satzung zusätzlich anbietet. Homöopathische Mittel dürfen Kassen auf diesem Weg nur noch bis zum 31.12.2026 erstatten; ab dem 01.01.2027 ist das gesetzlich ausgeschlossen. Auf Kassenrezept gibt es sie schon seit dem 30.07.2026 nicht mehr. [11, 12] Mehr unter Zahlt die Krankenkasse Homöopathie?

Systematische Übersichtsarbeit

Eine Arbeit, die alle Studien zu einer Frage nach festen Regeln sucht, bewertet und zusammenfasst; rechnet sie die Ergebnisse zusammen, heißt sie Meta-Analyse. 2005 verglich eine solche Arbeit 110 Homöopathie-Studien mit 110 Studien zu herkömmlichen Mitteln. [13] Weitere stellt Was Studien zur Homöopathie zeigen vor.

  1. Organisation Homöopathie: Was Globuli, Potenzen und das Ähnlichkeitsprinzip bedeuten (Rüdiger Freund, Brigitte M. Gensthaler). aponet.de, Gesundheitsportal der deutschen Apothekerinnen und Apotheker (Avoxa). Stand 29.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Tischner, Rudolf: Hahnemann, Samuel. Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 513 bis 514. Stand 1966. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organon der Heilkunst, 4. Auflage (§§ 151 bis 154). Samuel Hahnemann, Arnoldische Buchhandlung, Dresden und Leipzig, digitalisiert bei Projekt Gutenberg. Stand 1829. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Jütte, Robert: The LM potencies in homoeopathy. From their beginnings to the present day. Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart. Stand 2007. abgerufen am 29.10.2026
  5. Repertorium (Homöopathie). Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Wie werden Homöopathika hergestellt? (Cornelia Neth). PTAheute, Deutscher Apotheker Verlag. Stand 13.10.2022. abgerufen am 29.10.2026
  7. Gesetz § 4 Arzneimittelgesetz (AMG): Sonstige Begriffsbestimmungen, Absatz 26. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  8. Fachgesellschaft Rieder MJ, Robinson JL: "Nosodes" are no substitute for vaccines (Position Statement). Canadian Paediatric Society, Paediatrics and Child Health 20(4). Stand 2015. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. European Academies' Science Advisory Council (EASAC). Stand 09/2017. abgerufen am 29.10.2026
  10. Gesetz § 39 Arzneimittelgesetz (AMG): Entscheidung über die Registrierung homöopathischer Arzneimittel, Absatz 2 Nr. 5b. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am 30. Juli 2026 in Kraft getreten: Änderungen, die sofort umzusetzen sind (Infoletter). Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt. Stand 31.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
  12. GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in Kraft: Was sich für Praxen ändert. Deutsches Ärzteblatt. Stand 30.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
  13. Studie Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. The Lancet 366(9487), S. 726 bis 732. Stand 08/2005. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.