Homöopathie bei BeschwerdenRatgeber

Homöopathie bei Erkältung, Husten und Ohrenschmerzen: die Studienlage

Eine Cochrane-Übersicht mit elf Studien fand bei Atemwegsinfekten von Kindern keinen einheitlichen Nutzen homöopathischer Mittel gegenüber Placebo. Erkältungen klingen meist nach ein bis zwei Wochen von selbst ab, eine Mittelohrentzündung oft nach zwei bis drei Tagen. Das IQWiG bezeichnet homöopathische Mittel bei Mittelohrentzündung als unwirksam.

Frau sitzt in eine Wolldecke gehüllt auf dem Sofa und hält eine dampfende Teetasse
Bild: KI-generiert

Schnupfen, Halskratzen, Husten: Für viele ist das der erste Anlass, Globuli auszuprobieren. Diese Seite fasst zusammen, was die Studien zeigen, und erklärt, warum sich die Beschwerden meist auch ohne jede Behandlung bessern. Wir empfehlen keine Mittel, Potenzen oder Dosierungen, weil keine Studie eine solche Empfehlung trägt.

Wie eine Erkältung ohnehin verläuft

Erkältungen werden von Viren ausgelöst und klingen nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) normalerweise nach ein bis zwei Wochen von selbst ab. Halsschmerzen und Schnupfen verschwinden oft nach wenigen Tagen. Husten hält länger an: Bei Erwachsenen dauert es im Schnitt 18 Tage, bis er ganz ausgestanden ist.[1]

Nachttisch mit Wasserglas, gefaltetem Taschentuch und geschlossenem Kalender im Morgenlicht
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Erwachsene erkälten sich im Durchschnitt zwei- bis viermal im Jahr, Kinder aus Kita oder Schule bringen sechs bis acht Erkältungen pro Jahr mit nach Hause.[1] Ein Medikament, das Erkältungsviren gezielt bekämpft und die Krankheit spürbar verkürzt, gibt es bisher nicht. Antibiotika helfen bei einer einfachen Erkältung nicht, weil sie nur gegen Bakterien wirken.[1]

Wer am dritten Tag eines Schnupfens Globuli nimmt und sich am fünften Tag besser fühlt, kann sich genauso gut ohne sie besser fühlen, denn so verläuft eine Erkältung meist. Ob ein Mittel etwas beiträgt, lässt sich nur in Studien mit einer Vergleichsgruppe klären, die ein Scheinmittel bekommt. Warum auch ein Scheinmittel spürbar wirken kann, steht auf der Seite Der Placeboeffekt.

Was Studien bei Kindern mit Atemwegsinfekten zeigen

Eine systematische Auswertung stammt von der Cochrane Collaboration. Die Übersicht wurde zuletzt im Dezember 2022 aktualisiert und umfasst elf randomisierte Studien mit 1.813 Kindern bis 16 Jahre.[2] Alle Studien befassten sich mit Infekten der oberen Atemwege. Fünf prüften, ob homöopathische Mittel Infekte verhindern, sechs, ob sie die Heilung beschleunigen. In einem Teil der Studien wählte ein Homöopath das Mittel für jedes Kind einzeln aus, in den anderen bekamen alle Kinder dasselbe Präparat. Alle verwendeten stark verdünnte Mittel, die Verdünnungen reichten von 1 zu 10.000 bis 1 zu 10 hoch 200.[2]

Die Übersicht nennt zahlreiche Schwächen der Studien: hohe Abbruchquoten, uneinheitliche Methoden, selektive Berichterstattung und offenbar Abweichungen vom vorab festgelegten Studienplan. Wegen der großen Unterschiede zwischen den Studien ließen sich nur vier Messgrößen aus mehr als einer Studie zusammenfassen.[2]

Das Ergebnis der Autorinnen und Autoren: Die zusammengefassten Studien zeigten keinen einheitlichen Nutzen gegenüber Placebo, weder bei der Zahl erneuter Infekte noch bei der Heilungsrate. Die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse stuften sie überwiegend als niedrig bis sehr niedrig ein.[2]

Alle Studien mit geringem Verzerrungsrisiko fanden keinen Nutzen. Positive Ergebnisse kamen nur aus Studien, deren Verzerrungsrisiko unklar oder hoch war. Vier der elf Studien wurden von Herstellern homöopathischer Mittel finanziert, bei drei fehlte eine Angabe zur Finanzierung.[2] Nebenwirkungen wurden so lückenhaft berichtet, dass die Übersicht zur Sicherheit keine Aussage treffen konnte.

Grippe und grippale Infekte

Eine echte Grippe ist mehr als eine starke Erkältung. Grippeviren und das Coronavirus SARS-CoV-2 lösen zwar ähnliche Beschwerden aus, können aber im Unterschied zu gewöhnlichen Erkältungsviren schwere Atemwegsinfektionen bis hin zur Lungenentzündung verursachen.[1] Sie beginnt meist plötzlich und geht häufiger mit hohem Fieber, Schüttelfrost sowie Muskel- und Gliederschmerzen einher.[1] Für ein bekanntes homöopathisches Grippemittel, das aus Extrakt von Entenherz und Entenleber hergestellt und 200-mal verdünnt wird, gibt es eine eigene Cochrane-Übersicht aus dem Jahr 2015.[3]

Mann ruht mit geschlossenen Augen im Bett, auf dem Nachttisch liegt ein Fieberthermometer
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Sie umfasst sechs Studien. Zwei prüften die Vorbeugung bei 327 Erwachsenen, vier die Behandlung bei 1.196 Jugendlichen und Erwachsenen. Bei der Vorbeugung fand sich kein statistisch belastbarer Unterschied zu Placebo. Bei der Behandlung lieferten nur zwei Studien auswertbare Daten. Die Übersicht stuft beide als Studien niedriger Qualität ein. 48 Stunden nach Beginn berichteten etwas mehr Menschen in der Mittelgruppe über Linderung, nach drei Tagen war der Unterschied kleiner, nach vier und nach fünf Tagen gab es keinen Unterschied mehr.[3]

Die drei Autoren forschen selbst zur Homöopathie, einer von ihnen arbeitete für die British Homeopathic Association. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Belege für belastbare Aussagen nicht ausreichen. Eine nützliche Wirkung schlossen sie nicht aus, nannten die Belege wegen der geringen Studienqualität aber nicht überzeugend.[3]

Ohrenschmerzen und Mittelohrentzündung

Eine akute Mittelohrentzündung gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern. Bis zum Alter von drei Jahren hatten 80 von 100 Kindern schon einmal eine.[4] Sie entsteht meist im Zusammenhang mit einer Erkältung oder einem anderen Infekt und heilt in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst ab.[4]

Im Vordergrund steht deshalb die Schmerzlinderung, etwa mit Paracetamol oder Ibuprofen als Saft oder Zäpfchen. Antibiotika sind häufig unnötig. Sinnvoll sein können sie zum Beispiel bei eitrigem Ausfluss aus dem Ohr, wenn bei Kindern unter zwei Jahren beide Ohren entzündet sind, oder bei Komplikationen.[4] Zu Hausmitteln, pflanzlichen und homöopathischen Mitteln schreibt das IQWiG: Die Wirksamkeit von Hausmitteln und pflanzlichen Mitteln ist nicht belegt, homöopathische Mittel sind unwirksam.[4]

Kinder bekommen etwas häufiger Mittelohrentzündungen, wenn sie oft engen Kontakt zu anderen Kindern haben, etwa in der Kita. Besonders wichtig für die Vorbeugung ist eine rauchfreie Umgebung, denn Passivrauchen erhöht das Risiko. Seltener einen Schnuller zu geben, senkt das Risiko vielleicht etwas.[4] Hält eine Entzündung über mehrere Wochen an, spricht man von einer chronischen Mittelohrentzündung. Kinder mit häufigen Entzündungen und anhaltendem Erguss hinter dem Trommelfell bekommen manchmal ein Paukenröhrchen, das weitere Entzündungen seltener macht.[4]

Weil die Entzündung oft von selbst nach wenigen Tagen abklingt, geht es dem Kind oft nach wenigen Tagen besser, ob es Globuli bekommen hat oder nicht. Was Eltern bei Fieber und Infekten ihrer Kinder beachten sollten, steht auf der Seite Homöopathie bei Kindern: was Eltern wissen sollten.

Wann du ärztlichen Rat brauchst

Ein Infekt der oberen Atemwege führt nur sehr selten zu ernsten Komplikationen wie einer Lungenentzündung. Das IQWiG rät, in diesen Fällen ärztlichen Rat einzuholen:[1]

Ärztin untersucht mit einem Otoskop das Ohr eines erwachsenen Mannes im hellen Sprechzimmer
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  • hohes Fieber
  • starke oder sich verstärkende Beschwerden
  • Schmerzen in der Brust
  • Luftnot oder Probleme beim Atmen

Das gilt besonders für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD.[1] Bei Kleinkindern kann ein Infekt zu Pseudokrupp führen, erkennbar an bellendem Husten, pfeifenden Geräuschen beim Einatmen und leichter Atemnot.[1]

Bei Ohrenschmerzen gehören Schmerzen hinter dem Ohr, manchmal mit Schwellung und Fieber, zu den Warnzeichen. Sie können auf eine Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoiditis) hindeuten, die mit Antibiotika behandelt werden muss, damit sie sich nicht auf den Knochen ausbreitet oder eine Hirnhautentzündung auslöst.[4] Hört ein Kind über Wochen schlechter, solltest du das ebenfalls ärztlich ansprechen. Flüssigkeit, die nach der Entzündung im Mittelohr bleibt, kann zu Hörstörungen führen und die Sprachentwicklung verzögern.[4]

Was bei Erkältungen nachweislich lindert

Gegen die Viren selbst gibt es kein Mittel. Einige Beschwerden lassen sich aber etwas lindern: Fieber- und Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure helfen gegen Kopf- und Gliederschmerzen, abschwellende Nasensprays machen die Nase für eine kurze Zeit frei.[1] Nasentropfen solltest du nur wenige Tage verwenden.[4]

Zur Vorbeugung gibt es keine Impfung gegen Erkältungen. Abstand und Hygiene senken das Risiko, sich anzustecken, denn die Viren verbreiten sich über Tröpfchen und über Hände, Türklinken oder benutzte Taschentücher.[1] Vitamine und Präparate mit Sonnenhut werden oft zur Vorbeugung beworben, ihre schützende Wirkung ist laut IQWiG aber überwiegend begrenzt. Für Probiotika gibt es Hinweise aus Studien, dass sie Infekte der oberen Atemwege etwas seltener machen können.[1] Bei Säuglingen senken Impfungen gegen Pneumokokken und Grippeviren auch das Risiko für Mittelohrentzündungen etwas.[4]

Wer trotz der Studienlage Globuli nehmen möchte, sollte die Grenzen kennen. Welche Warnzeichen bei der Selbstbehandlung gelten, erklärt die Seite Selbstbehandlung mit Homöopathie: Grenzen und Risiken. Wie Forscher Studien bewerten und warum Einzelstudien wenig aussagen, steht unter Was Studien zur Homöopathie zeigen.

  1. Organisation Erkältung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 31.10.2023. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Hawke K, King D, van Driel ML, McGuire TM: Homeopathic medicinal products for preventing and treating acute respiratory tract infections in children (Cochrane Review, CD005974). Cochrane Database of Systematic Reviews. Stand 12/2022. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Mathie RT, Frye J, Fisher P: Homeopathic Oscillococcinum for preventing and treating influenza and influenza-like illness (Cochrane Review, CD001957). Cochrane Database of Systematic Reviews. Stand 01/2015. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Mittelohrentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.06.2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.